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Vom Gründer zum Geldgeber – was die MyMuesli-Jungs jetzt vorhaben

Max Wittrock, Philipp Kraiss und Hubertus Bessau sind Vorbilder für Foodpreneure

MyMuesli gilt als das Vorzeige-Food-Startup in Deutschland. Nebenbei investieren die Macher in andere Firmen. Wir haben mit Gründer Max Wittrock darüber gesprochen.

Wenn junge Food-Gründer von ihrem Vorbild erzählen, fällt häufig ein Name: MyMuesli. Das Unternehmen, das 2007 von Hubertus Bessau, Max Wittrock und Philipp Kraiss in Passau gegründet wurde, beschäftigt heute 800 Mitarbeiter, betreibt mehr als 50 Geschäfte in der DACH-Region und arbeitet gerade an der Expansion in weitere Länder.

Aus deutschen Supermarktregalen ist das in runden Boxen verpackte Müsli nicht mehr wegzudenken. In der Produktionsstätte in Niederbayern kann das Unternehmen nach eigenen Angaben zudem 566 Billionen individuelle Varianten an Müsli mixen. Der Umsatz ist allerdings ein Betriebsgeheimnis.

Der Erfolg von MyMuesli spornt andere Foodpreneure an, er zeigt, was möglich ist – gerade in der Lebensmittelbranche in Deutschland, die gerne in traditionellen Strukturen feststeckt und Food-Innovationen den Zugang zum Handel erschwert.

Was bisher kaum bekannt ist: Die MyMuesli-Gründer sind auch als Business Angels aktiv. Erst vergangene Woche wurde ihr Investment in das Münchner Startup Keller Sports verkündet. Wir haben MyMuesli-Mitgründer Max Wittrock in seinem Berliner Büro besucht und mit ihm über seine Rolle als Geldgeber gesprochen.

Max, seit wann kümmert Ihr Euch neben MyMuesli um andere Firmen?

Angefangen haben wir vor mehreren Jahren mit eigenen Spinoffs, die wir innerhalb von MyMuesli gestartet haben. Zum Beispiel Tree or Tea, Green Cup Coffee oder Oh!-Saft. Wir machen diese Projekte auch immer noch gerne, allerdings haben wir gemerkt, dass es besser ist, den operativen Fokus auf MyMuesli zu legen. Green Cup Coffee betreiben wir deswegen beispielsweise gar nicht mehr selber, sondern unser Röster Thomas Eckel führt es weiter.

Ihr investiert als Gründer aber auch Geld in andere Startups.

Genau. Wir haben vor einigen Jahren unsere erste eigene Beteiligung getätigt. Das war mit MyMuesli bei dem Keks-Startup Knusperreich, das auch aus Passau kommt. Das gibt es heute noch in abgewandelter Form, die ursprünglichen Gründer sind ausgestiegen. Außerdem haben wir damals Geld in das Nahrungsergänzungsmittel-Unternehmen Purmeo gesteckt.

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Wie viele Investments habt Ihr mittlerweile getätigt?

Ich kann nicht alles verraten, aber es sind eine Handvoll Startups. Die Beteiligungen laufen über eine Holding von uns drei Gründern, damit sie von MyMuesli getrennt sind. Im Food-Bereich sind es aktuell das Wurst-Startup Grillido und die New Yorker Firma Greenblender. Und ich privat habe noch eine Leidenschaftsbeteiligung an Geile Weine aus Mainz.

Wie kommt Ihr an Startups, in die Ihr investiert?

Mittlerweile werden mehr Leute auf uns aufmerksam – sie haben offenbar das Gefühl, dass wir Ahnung haben (lacht). Deswegen bekommen wir mehr Businesspläne zugeschickt. Wir machen das aber nur aus Leidenschaft, nicht um ein neues Business zu starten. Wir sind keine institutionellen Investoren und wollen es auch nicht sein. Wir füllen die klassische Rolle eines Business Angels aus: Kleine Summen, dafür viel Knowhow, Erfahrung und Netzwerk. Denn wir haben ein Unternehmen, das unsere volle Aufmerksamkeit braucht. Und wir sind auch nicht Exit-getrieben, deswegen haben wir nicht einen riesigen Topf voll Geld.

Im Fall von Greenblender habt Ihr beispielsweise mit dem Berliner VC Point Nine investiert.

Wir sind okay darin, ein Unternehmen zu gründen und voran zu treiben. Aber wir drei haben nie gelernt, Businesspläne miteinander zu vergleichen oder zu bewerten und wir haben auch wenig Zeit dafür – das können richtige Investoren einfach besser. Insofern ist es der beste Weg für uns, wenn wir ein Intro von jemandem bekommen, der sagt: Ich investiere, möchtet ihr nicht mitgehen? So war das beispielsweise bei dem New Yorker Startup Greenblender, wo Point Nine der führende Investor ist. Wir gucken aber selten Startups an, die gar nichts mit Food oder Konsumgütern zu tun haben.

Max WittrockDer Food-Markt hat für viele Investoren derzeit großes Potential. Für Dich auch?

Es gibt definitiv einen Trend. Um aus der Laienbrille mal ein Thema herauszugreifen: Spannend finde ich Startups und Technologien, die zum Beispiel Logistik-Ketten verbessern und verkürzen. Das fängt bei einem Deliveroo an und endet bei Anbietern, die frische Ware transportieren. Und natürlich ist der Food-Markt allgemein riesig, da können Gründer viel bewegen und Nischen finden.

Es heißt, in den USA, besonders in New York, entstehen die Food-Trends. Sollten sich Gründer dort umschauen?

Einer der häufigsten Sätze an deutschen Gründer-Küchentischen lautet vermutlich: ,Hey, ich war gerade in New York und habe das und das gesehen – das müsste man mal in Deutschland machen.’ Das ist irgendwie schon Teil der Entrepreneur-Nationalhymne. Das Schwierige ist, dass sich nicht alles eins zu eins für den deutschen Markt adaptieren lässt. Aber man kann sich durchaus inspirieren lassen. Und Essen ist in vielen Bereichen ja tatsächlich global. Die spannende Frage ist: Wie lange dauert die lokale Adaption? Oreo als riesige amerikanische Food-Brand hat beispielsweise jahrelang gebraucht, um in den deutschen Markt reinzukommen. Aber jetzt haben sie es hinbekommen. Bei Food-Themen dauert es einfach, da müssen Gründer auch mal Geduld haben.

Welches Startup aus den USA hättest Du gerne gegründet?

Ich bin genau wie meine beiden Mitgründer sehr zufrieden und glücklich mit MyMuesli (lacht). Aber ich finde es spannend, wenn Wissenschaft und Food aufeinander treffen. Die Idee von Soylent, also dass ich mich nur von Drinks ernähren kann, ist beispielsweise sehr interessant. Oder was die Rügenwalder Mühle neben vielen anderen in Deutschland macht, also fleischloses Fleisch. Insgesamt habe ich das Gefühl, dass Lebensmittelhersteller in Deutschland agiler werden – und das kann für den Konsumenten nur gut sein.

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Wäre es heute genauso einfach, ein Startup wie MyMuesli zu gründen?

Gründen hat immer viel mit Glück und Timing zu tun. Das Timing war bei uns perfekt, denn es war ein Markt, der lange keine Innovation mehr gesehen hatte und wir waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Exakt mit den gleichen Ideen und dem gleichen Business Plan könnten wir es heute vermutlich nicht mehr gründen. Ich glaube zum Beispiel, dass es schwieriger geworden ist, PR zu bekommen, einfach weil es so viele innovative Konzepte gibt. Wir waren beim Start fast die Einzigen mit einem neuen Food-Konzept. Damals hat jeder gesagt: ,Ey gründet doch ein Social Network!’

Was habt Ihr in der Anfangsphase unterschätzt?

Da unterscheiden wir uns vermutlich nicht von anderen Gründern. Wir haben das Wachstum unterschätzt, wir haben die Logistik unterschätzt. Es war irre schwierig, die richtigen Leute zur richtigen Zeit anzustellen. Und Food ist doch immer noch ein heikles Thema was Kontrollen oder Etiketten angeht.

Angenommen, ich bin Gründer und will Euch als Investoren gewinnen. Wie gehe ich vor?

Unsere Mittel und unsere Zeit sind stark begrenzt, weil wir uns voll auf MyMuesli konzentrieren, aber man kann uns auf den gängigen Kanälen erreichen. Wir können bestimmt einen guten Ratschlag geben – aber dafür braucht man uns nicht unbedingt als Investoren. Da reicht es, wenn man uns ein leckeres Produkt schickt, dann kann man auch mal telefonieren. Ich finde es immer cool, Gründer kennenzulernen. Und für ein bis zwei Investments werden wir in den kommenden Jahren wohl noch Zeit haben.

Danke für das Gespräch, Max.

Bild: Viktor Strasse für MyMuesli

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