Diese Gründer geben der Wurst ein Gesicht

Ein Berliner Startup bietet Wurstwaren an – mit Fotos der Tiere, die dafür ihr Leben ließen. Die Kunden sollen wissen, wer da bei ihnen auf den Teller liegt.

Für gewöhnlich tun Hersteller viel, damit Wurst- und Fleischwaren nicht mehr wie das Tier aussehen, von dem sie stammen. Manche pressen die Wurstmasse sogar in Bärchenform, damit sie den Käufern besser schmeckt. Der Gedanke dahinter: Viele Kunden wollen in kein Würstchen beißen, für das ein knopfäugiges Schweinchen sein Leben lassen musste – auch wenn das faktisch der Fall ist.

Das Berliner Startup Meine kleine Farm richtet sich dagegen an Ernährungsbewusste, die wissen wollen, woher ihr Fleisch kommt. Das Unternehmen bietet Wurstwaren an, bei denen die Kunden nicht nur wissen, wo, sondern auch von welchem Tier das Essen verarbeitet wurden. Denn auf jedem Produkt prangt das Foto des Tiers, das hierfür geschlachtet wurde.

So liefert Schwein 246 von Gut Hirschaue beispielsweise das Fleisch für Bio-Wiener und die Kalbsleberwurst vom Hof Apfeltraum stammt von Rind 32.

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Dennis Buchmann gründete das Unternehmen 2011, heute arbeiten sechs Menschen in seinem Team im Berliner Stadtteil Neukölln. Die Produkte verkauft das Food-Startup über einen Webshop. Der Jahresumsatz liegt laut Angaben des Unternehmens im niedrigen sechsstelligen Bereich.

„Breakeven sind wir seit dem ersten Schwein", erläutert Pierre Johannes, der derzeit das operative Geschäft leitet. Mit den Erlösen aus den ersten Produkten kaufte die Firma ein weiteres Schwein, ließ es schlachten und verwursten – und wuchs seitdem organisch, ohne Fremdkapital.

Heute arbeite Meine kleine Farm mit neun Bauern aus Norddeutschland zusammen. Die meisten von ihnen seien biozertifiziert, aber das sei nicht das bedeutendste Kriterium, so Johannes. „Viel wichtiger ist uns, dass die Tiere im Freien gehalten werden", erzählt er. Und das sei gar nicht so einfach zu finden: „Kühe sieht man öfters das ganze Jahr auf der Weide stehen, bei Schweinen ist das selten." Außerdem würden die Schweine in der Nähe der Bauern geschlachtet. „So vermeiden wir lange Transportwege, die die Tiere nur quälen würden."

Die Produkte sind allerdings in der Regel teurer als die im Supermarkt. „Schon allein durch die Freilandhaltung brauchen die Tiere länger als in der Massentierhaltung, um Schlachtreife zu erreichen", erläutert Johannes. Dadurch fielen etwa höhere Futterkosten an, die dann wiederum auf die Produkte umgeschlagen werden.

4,90 Euro kostet ein 200-Gramm-Glas Leberwurst, 10,35 Euro ein 180-Gramm-Stück Bio-Schinken. Für ein halbes Schwein zahlt man 525 Euro, für ein ganzes 999 Euro. „Dafür weiß man dann aber auch, woher die Tiere kommen und dass es ihnen gut ging", so Johannes.

Bild: Meine kleine Farm

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