Wie Liefer-Startups versuchen, ihren Kunden gerecht zu werden

Essen auszuliefern ist ein kompliziertes und teures Geschäft. Wie es trotzdem gelingen kann, diskutieren die Manager von Foodora, Everdine und der Markthalle 9.

Kundenansprüche steigen und steigen – gerade was die schnelle Sendung von Waren angeht. Das Paket soll am besten in einem möglichst kleinen Zeitfenster an jeden beliebigen Ort geliefert werden. Für Startups mit begrenzten Mitteln ist das ein Problem – da sind sich Foodora-Gründer Emanuel Pallua, Everdine-Chef Andreas Jaegle und die Leiterin des B2B-Lieferdiensts der Berliner Markthalle 9 Therese Breyer einig.

Doch wie können junge Unternehmen es trotzdem schaffen? „Sie müssen ihre Logistik einschränken“, sagte Breyer am Dienstag auf der „Future of Food“-Konferenz in Berlin. „Das bedeutet, sie sollten Bestellungen bündeln und bestimmte Liefertage festlegen.“ Am Anfang sei es unrealistisch, sofort jeden Kunden bedienen zu können. Breyer arbeitete zuvor für Bonativo, einen Lebensmittel-Lieferdienst für regionale Produkte von Rocket Internet, der mittlerweile eingestellt wurde.

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Everdine-Chef Andreas Jaegle stimmt dem zu. Mit seinem Londoner Startup, das von Rocket Internet im Jahr 2015 gestartet wurde, versendet er tiefgefrorene Gerichte in Sechser-, Achter- oder Zwölferpacks in Großbritannien. Zu Beginn wurden die Bestellungen nur ein Mal pro Woche verschickt. „Wer also Pech hatte und kurz nach dem Ende des Zyklus bestellt hat, musste über eine Woche warten.“

Auch hätte er nie gedacht, dass einige Kunden so streng mit jungen Startups seien. „Am Anfang habe ich alle angerufen, die uns mit nur einem Stern bewertet haben“, so Jaegle. „Ich wollte schließlich die Probleme verstehen.“ Es habe sich herausgestellt, dass viele Kunden mit dem Essen zufrieden gewesen seien, die Lieferung aber zu spät angekommen sei. Seitdem Everdine den Zusteller gewechselt habe, seien solche Probleme stark zurückgegangen. Der richtige Partner mache den Unterschied, so Jaegele.

Foodora: „Wir experimentieren mit Drohnen“

Foodora-Gründer Emanuel Pallua erklärt, für sein Unternehmen, das Gerichte von Restaurants ohne eigenen Lieferservice ausfährt, sei es entscheidend, möglichst schnell zu liefern. „Niemand will zwei Stunden auf sein Essen warten. Und meistens bestellt man sowieso erst dann, wenn es schon zu spät ist – und man Hunger hat.“ Damit die schnelle Lieferung gelingen könne, habe Foodora auf der letzten Meile auf Fahrräder umgestellt. „Kritiker haben geglaubt, dass das nicht klappen kann. Das Essen würde kalt oder durchgerüttelt werden“, so Pallua. Heute aber sehe man, dass nach einigen Optimierungen die Lieferung per Fahrradkurier sehr wohl funktionierte – und man keine Autos oder Scooter dafür brauche.

Wie die letzte Meile in der Zukunft aussehen könne? „Wir experimentieren etwas mit Drohnen“, so Pallua, „aber da gibt es auch Probleme. Soll die zum Beispiel ans Fenster klopfen, wenn sie da ist? Das geht natürlich nicht. Oder was passiert, wenn sie jemandem auf den Kopf fällt?“ In Hamburg probiere Foodora aktuell außerdem einen Lieferroboter aus. „Der hat auch Nachteile, er kann weder in ein Restaurant fahren noch in ein Wohnhaus. Außerdem ist er langsamer als ein Fahrradkurier. Der Vorteil ist hingegen, dass er auch bei Regen fährt, wo manche Fahrer nicht radeln möchten, aber viele Kunden bei uns bestellen. Der Roboter ist anspruchslos.“

Für den Lieferdienst der Markthalle 9, der Geschäftskunden mit regionalen Bio-Lebensmitteln versorgt, sieht die Herausforderung anders aus. „Wie bekommen wir die Produkte von den Bauern?“, fragt Breyer. Viele seien überhaupt nicht digitalisiert. Wolle man da ein Angebot haben, würde es oft noch per Post versendet. „Unser Problem ist eher die erste Meile.“

Bild: Chris Marxen für NGIN Food

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