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So oft kochen die Deutschen noch selber

Digitalisierung spielt beim Kochen eine immer größere Rolle

Die Deutschen benutzen immer seltener den eigenen Herd, kaufen dafür allerdings mehr Fertigprodukte. Das hat Auswirkungen auf das Sortiment im Supermarkt.

In Deutschland bleibt die Küche immer öfter kalt. In nicht mal mehr jedem vierten Haushalt wird täglich frisch gekocht. Das zeigt die aktuelle Studie „Consumers Choice ’17“ von den Marktforschern der GfK und der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE). „Der Alltagskoch ist stark auf dem Rückzug“, sagt Studienautor Robert Kecskes von der GfK. Zwar sei er zahlenmäßig mit einem Anteil von 23 Prozent noch immer der häufigste Kochtyp. Vor vier Jahren aber wurde noch in 29 Prozent der Haushalte täglich der Herd angeschaltet.

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Und ein Ende dieses rasanten Abstiegs scheint nicht in Sicht. „Der Rückgang wird weitergehen“, prognostiziert Kecskes am Rande der weltgrößten Ernährungsmesse Anuga in Köln. Denn die Generationen, die aktuell einen Haushalt gründen und ins Berufsleben hineinwachsen, würden regelmäßige Mahlzeiten immer weniger kennen. „Und viele von ihnen lernen auch gar nicht mehr zu kochen.“

Doch nicht immer sind es fehlende Lust oder Bereitschaft, die hinter dem Rückzug des Alltagskochs stehen. Oftmals fehlt es schlichtweg an Zeit. „Vor allem die jüngeren Aufsteiger, aber auch die etablierten Fachleute sind davon betroffen“, heißt es in der Studie, für die 30.000 Haushalte befragt wurden.

Gleichzeitig legen die „Snacker“ kräftig zu

Passend dazu würden Kinder ihr Mittagessen heute vielfach in der Kita oder der Ganztagsschule bekommen. Um sich bei allem Zeitmangel in den eigenen vier Wänden dennoch versorgen zu können, wird in zahlreichen Haushalten zunehmend Fertigware gekauft. Der Kochtyp „Aufwärmer“ ist dementsprechend schon die zahlenmäßig zweitgrößte Gruppe in der Küche. Gleichzeitig legen auch die „Snacker“ kräftig zu. „Bei ihnen ersetzen viele Zwischendurch-Snacks die festen Mahlzeiten, häufig geben sie dabei ihren spontanen Gelüsten nach.“

Das alles hat Auswirkungen auf die Sortimente im Lebensmittelhandel. „Wir sehen ein großes Wachstum von Produkten im To-Go-Format“, beschreibt Konsumforscher Kecskes. Und auch das Thema Convenience werde noch mal deutlich wichtiger als es ohnehin schon ist. „Produkte müssen für die Verbraucher heute so vorbereitet sein, dass sie schnell zu verarbeiten sind.“ Ein passendes Beispiel ist Kecskes zufolge Salat. Während der Verkauf von frischen Salatköpfen nach GfK-Angaben seit Jahren allenfalls stagniert, steigt die Nachfrage für Salatprodukte, die schon gewaschen und geschnitten sind, deutlich an. Diesen Service lassen sich die Bundesbürger dann auch etwas kosten. „Die Deutschen sind wieder bereit, mehr Geld fürs Essen zu bezahlen.“

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Wochenendkoch zelebriert seine Mahlzeiten

Der Wochenendkoch wiederum findet sich mehrheitlich in den jungen Familien. „Er muss sich fünf Tage bescheiden, ehe er sich dann genussvoll mit Freunden und der Familie zum Kochen und Essen zusammensetzen kann.“ Diese Mahlzeiten würden dann aber auch zelebriert.

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Die Küche wandelt sich damit auch zum sozialen Treffpunkt. Und der muss dann auch schick aussehen. Die Ausgaben für neue Küchen steigen dementsprechend an. „Je teurer die Küche, umso höher ist derzeit das Wachstum“, berichtet Markus Wittmann, der Möbel-Experte der GfK. Während Billigküchen für weniger als 5000 Euro 2016 sowohl mengen- als auch umsatzmäßig verloren haben, sind die Verkaufszahlen in den Hochpreissegmenten deutlich überdurchschnittlich gestiegen. Küchen mit einem Auftragswert von 10.000 bis 20.000 Euro zum Beispiel legten um sechs Prozent zu, die Luxusvarianten mit mindestens 20.000 Euro Bestellvolumen sogar um 18 Prozent. Und dahinter stehen durchaus beachtliche Stückzahlen.

Digitalisierung verändert den Einzelhandel

Aber auch die Digitalisierung spielt eine immer größere Rolle. „Die Verbraucher sind aufgeschlossen für digitale Shopping- und Kochhilfen“, sagt BVE-Hauptgeschäftsführer Christoph Minhoff. Gemeint sind zum einen smarte Küchengeräte, aber auch digitale Koch-Apps und Einkaufshelfer wie Amazons Alexa. „Der nächste Schritt ist, dass solche Geräte gleich das ganze Menü vorschlagen und die notwendigen Zutaten online bestellen“, sagt Marktforscher Kecskes. Vor allem junge Menschen zwischen 20 und 35 Jahren sind nach GfK-Angaben offen für diese Technologien. „Sie sind digital aufgewachsen, also nehmen als ganz selbstverständlich an, dass die Automatisierung im Haushalt weiter stark zunehmen wird.“

Insgesamt zeigt sich der Studie zufolge jeder vierte Verbraucher aufgeschlossen für zusätzliche Technik in der Küche. All das dürfte auch starke Auswirkungen auf die Einkaufsgewohnheiten haben. Darauf jedenfalls richten sich die Händler ein. „Die Digitalisierung wird den Einzelhandel ebenso stark verändern wie die Einführung der Selbstbedienung ab Ende der 50er-Jahre“, glaubt Franz-Martin Rausch, der Hauptgeschäftsführer vom Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH). Der Kunde der Zukunft werde anspruchsvoller und als „Omni-Shopper“ Online- und Offline-Einkaufskanäle kombinieren. „Es wird erwartet, jederzeit überall einkaufen zu können und beliefert zu werden.“ Das Ende des Supermarkts sieht Rausch deswegen aber noch nicht gekommen.

Dieser Artikel erschien zuerst bei Welt Online.

Bild: FUTURE PUBLISHING / Getty Images

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