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Drei Berliner gegen den langweiligen Popcorn-Markt

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Diese Gründer backen Gourmet-Popcorn – und verkaufen es über Feinkostläden und im Webshop. Und auch ein bekanntes deutsches Kaufhaus hat Interesse.

Wenn Christopher Peters durch den kleinen Raum läuft, den er „Popkornditorei“ nennt, und dort seinen zwei Mitarbeitern, die er Bäcker nennt, über die Schulter schaut, kann er jeden Arbeitsschritt erklären. Mais und Öl kommen in die Maschine, die gleich am Eingang in der Ecke steht. Darin werden die Körner erhitzt, puffen auf und werden danach ausgesiebt. „Nur die großen Bollen kommen in unsere Tüten“, erklärt der 35 Jahre alte Berliner Unternehmer. Doch zuvor werden sie auf Blechen mariniert, karamelisiert und gebacken. Nach etwa zwei Stunden ist das Popcorn fertig.

Auch wenn Peters eigentlich ganz woanders arbeitet, nämlich als Head of Strategy in der Geschäftsführung des Kreativ-Marktplatzes Jovoto, kennt er alle Arbeitsschritte in der Popcorn-Fabrik im Berliner Bezirk Friedrichshain.

Der deutsche Markt ist zu langweilig

„Ich hatte schon immer ein Faible für Snacks und außergewöhnliche Sachen, aber was es bisher auf dem deutschen Markt gab, war mir zu langweilig“, erzählt Peters. Viel gereist sei er und in anderen Ländern habe ihn Fusion-Food fasziniert – Essenskreationen, die mit verschiedensten Gewürzen und anderen Zutaten wild kombiniert werden: „So etwas muss doch auch mit Popcorn möglich sein, das möglichst knusprig ist, dachte ich mir.“

Er beriet sich mit zwei Freunden, die ein kleines Café im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg betreiben, welche Popcorn-Mischungen überhaupt möglich sind und welche dazu noch schmecken könnten. Dann probierten sie erste Rezepte in der Backstube des Cafés und Zuhause in der Küche aus und ließen sie befreundete Sterne-Köche testen. „Besonders gut kamen die Sorten an, die man eigentlich für simpel hält, aber die Hochwertigkeit der Zutaten rausschmeckt, wie beispielsweise bei der Tahiti-Vanille“, erzählt Peters.

Popcorn, das knallt

Im März 2016 gründete er mit der Café-Betreiberin Lucie Krautien und dem Designer Johannes Laue schließlich die „Popkornditorei“ Knalle, ein Unternehmen für Gourmet-Popcorn. Mit dem Namen wollten sie laut dem Gründer einen klaren Bezug zu Berlin herstellen: „Knalle ist wie dufte oder knorke ein Berliner Begriff, du denkst außerdem sofort an Popcorn, was knallt.“

Bei den Zutaten achteten sie auf Lebensmittel, die frei von Farbstoffen, Palmöl und Gentechnik sind. Der Mais stammt von einer Landwirteunion aus Südfrankreich. „Er ist besonders gut für Knalle geeignet, weil er größer und runder aufspringt als anderer“, sagt Peters. Das bedeutet mehr Fläche für Marinade und Karamell.

Mittlerweile bieten die Gründer das Popcorn in sieben teils gewagt klingenden Sorten an – beispielsweise in „Barbecue Rauchmandel“, „Butterkaramell-Tahiti Vanille“, „Malabar-Pfeffer-Meersalz“ oder „Crumble Walnuss Orange“. „Jede Sorte hat einen leichten Karamellgrundton, der für Knusprigkeit sorgt“, erklärt Peters.

Popcorn für Fünf-Sterne-Hotels

Sieben Leute arbeiten nun für das Unternehmen. Sie machen das Popcorn vor Ort von Hand, lassen es von den Mitarbeitern einer Berliner Behindertenwerkstatt in die Tüten packen und verkaufen sie in dem kleinen Laden, der bei der Backstube angeschlossen ist. Außerdem vertreiben sie es deutschlandweit über ihren Webshop und über ausgewählte Delikatessenläden wie Manufactum oder Kochhaus. „Derzeit reden wir auch mit dem Kadewe über einen eigenen Shop auf deren Gourmet-Etage“, so der Gründer. Außerdem arbeiten sie mit einigen Unternehmen zusammen: „Fünf-Sterne-Hotels legen kleine Popcorntüten aufs Kopfkissen, in der VIP-Lounge von Union Berlin gibt es den Snack für die Spiele.“

An all diesen Orten erreiche man die Leute, die nicht zum Chipstütenregal greifen, sondern die bewusst oder hochwertige Produkte naschen wollten, glaubt der Gründer. „Die Kunden wollen wissen, wer das Produkt herstellt und ob die Hersteller authentisch sind“, sagt er. Seine Meinung: „Knalle ist Backkunst pur.“ Derzeit entwickeln sie weitere Produkte, die auch aus gepufften Mais bestehen, wie zum Beispiel Popriegel, Popfudge und Poptörtchen: „Wir wollen sie im Laufe des Jahres auf den Markt bringen.“ Außerdem soll es bald auch eine bio-vegane Popcorn-Sorte bei ihnen geben. Mit hochwertigen Zutaten und einer höherpreisigen Strategie will sich das junge Unternehmen von der starken Konkurrenz im Naschmarkt abheben.

„Wir sind Break Even“

In den vergangenen Jahren sind einige Unternehmen in Deutschland entstanden, die sich auf handgemachtes Popcorn spezialisiert haben. Es sind Anbieter wie Peppycorn aus Berlin, G-Corn aus Leipzig, Kates Popcorn aus Hamburg oder die Popcorn Manufaktur München. „Viele setzen auf bunte Farbstoffe, was nicht unser Ding ist“, sagt Peters. Und auch vom üblichen Kinopopcorn distanziert er sich: „Da kann man froh sein, wenn es noch warm ist und einem nicht am nächsten Tag noch die Maiskörner zwischen den Zähnen hängen.“

Rund 20.000 Tüten stellt das Unternehmen im Monat her. Eine 100-Gramm-Tüte kostet 4,50 Euro. Die genauen Umsätze wollen die Gründer aber nicht verraten. Nur so viel sagt Peters: „Wir sind Break Even und haben sehr zufrieden stellende Wachstumsraten.“

Die Einnahmen würden sofort wieder reinvestiert. Um das Unternehmen zu gründen und Maschinen zu kaufen, hätten die Gründer einen sehr niedrigen fünfstelligen Betrag aus eigenen Tasche gezahlt. Eine Finanzierung sei nicht notwendig gewesen.

Zwar überlegten sie sich mal, ob sie bei der Fernsehshow „Die Höhle der Löwen“ auf Investorensuche gehen sollen. Aber dann entschieden sie sich dagegen. „Mit einem Investor wäre der Weg ziemlich klar vorgegeben: ab in den Supermarkt“, sagt Peters. Für ihn kommt das nicht infrage: „Wir wollen uns bewusst nicht an die Masse richten, sondern an Feinkostläden.“

Bild: Knalle / Mo Jäger

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