Kitchen Stories will zukünftig mit Nutzerdaten Geld verdienen

Der Bosch-Tochter BSH gehört seit gestern 65 Prozent am Rezepte-Startup Kitchen Stories. Vor allem das Finanzierungsmodell des Unternehmens soll sich ändern.

Als der Deal endlich beschlossen war, hatten die Berliner Gründerinnen Verena Hubertz und Mengting Gao Monate der Verhandlungen hinter sich. Schon im Sommer hat das Unternehmen mit potentiellen Investoren aus verschiedensten Segmenten über eine neue strategische Ausrichtung gesprochen, wie Mitgründerin Hubertz im Gespräch mit NGIN Food erzählt. Schlussendlich hat die Bosch-Tochter BSH Hausgeräte 65 Prozent der Anteile der Rezepte-App übernommen. „Die Kombination aus Software und Hardware ergibt für uns mehr Sinn“, erklärt Hubertz. Am Ende sei den Gründerinnen der Mehrheitsverkauf sogar „emotional leichter gefallen“, wie Hubertz im Gespräch mit NGIN Food erzählte. Schließlich gehörten ihnen schon vor der Übernahme weniger als 50 Prozent ihres Startups Kitchen Stories. Doch wie geht es nach dem Verkauf weiter?

Ziel war es, einen Anteilseigner zu finden, der Kitchen Stories langfristig voranbringt, statt nur kurz die Bewertung mittels Risikokapital in die Höhe zu treiben, so die Gründerin. Trotz der Mehrheitsübernahme sei es für die Geschäftsführerinnen wichtig, unabhängig und eigenständig Entscheidungen treffen zu können. Nach Worten von Hubertz soll in den nächsten Monaten vor allem am Finanzierungsmodell gearbeitet werden.

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Neue Pläne für die Monetarisierung

Kitchen Stories will seine Rezepte-Plattform in Zukunft „vom Content-getriebenen Businessmodell zum Daten-getriebenen Ansatz“ ändern, so Hubertz. Während die App aktuell noch über Werbung Einnahmen generiert, planen die Gründerinnen ihr Startup künftig über zwei zusätzliche Wege finanzieren zu können: Über eine Premium-Mitgliedschaft für Nutzer und durch die Monetarisierung von Echtzeitdaten für B2B-Kunden.

Über den Premium-Zugang, der ähnlich wie bei Amazon Prime oder Runtastic aufgebaut werden soll, könnten User Funktionen wie individuelle Mahlzeitenpläne oder Rückwärtssuchen zur Resteverwertung von Lebensmittel in Anspruch nehmen, heißt es. Dafür muss das Startup zuerst einen strukturierten Rezeptdatensatz aufbauen, so Hubertz. Wie genau der Premium-Account aussehen soll, weiß die Mitgründerin aber noch nicht.

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Miele bleibt Kooperationspartner

Fortan will sich das Startup ebenfalls über Big Data finanzieren. „Wir wollen im B2B-Bereich weiter wachsen“, sagt Hubertz. Die App erkenne in Echtzeit, wann und wie Leute kochen, wonach sie suchen und welche Trends entstehen. Das könne vor allem Corporates interessieren. „Wie die Monetarisierung mit Daten aussehen soll, sehen wir uns noch an“, so die Mitgründerin. Im Kochverhalten von Nutzern sehen die Gründerinnen langfristig dennoch viel Potenzial.

Die Kooperation mit Miele, die Kitchen Stories Anfang des Jahres schloss, soll trotz der Konkurrenz zu ihrem neuen Mehrheitseigner weiterhin bestehen bleiben. „Das sind zwei verschiedene Themen: Eine operative Zusammenarbeit und eine strategische“, so Hubertz. Durch die Integration von Kitchen Stories mit der Home-Connect-Funktion von Bosch, soll die App zudem in Zukunft auch Küchengeräte steuern können, beispielsweise die Temperatur am Backofen regulieren. 

Bild: BSH

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