Millionen Downloads und Millionen Verluste – so geht es Kitchen Stories

Immer wieder macht Kitchen Stories mit Millionen App-Downloads auf sich aufmerksam. Nun hat das Berliner Unternehmen zum ersten Mal seine Bilanz veröffentlicht.

Die Berliner App Kitchen Stories machte in der Vergangenheit mit beeindruckenden Erfolgen auf sich aufmerksam. Nur ein Jahr nach dem Launch verzeichnete sie drei Millionen Downloads. Apple zeichnete die Koch-App und ihre professionellen Rezept-Videos aus und Anfang dieses Jahres besuchte sogar Apple-CEO Tim Cook die beiden Gründerinnen.

Nun gibt das Unternehmen AJNS New Media, das die App betreibt, zum ersten Mal einen tieferen Einblick in seine Geschäfte, indem es seinen Jahresabschluss im Bundesanzeiger veröffentlichte. Demnach erwirtschaftete das vier Jahre alte Unternehmen 2016 rund 545.000 Euro, ein Jahr zuvor lag der Umsatz bei weniger als der Hälfte. Das ist zwar eine deutliche Steigerung – aber insgesamt ein überraschend niedriger Umsatz für das gehypte Unternehmen, das seit 2014 am Markt ist und nach eigenen Angaben mehr als 15 Millionen Downloads weltweit verzeichnet.

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Monetarisierung ist ein Problem

Der Grund ist offenbar, dass das Startup noch immer keinen passenden Weg gefunden hat, das Geschäft zu monetarisieren. „Wir haben uns ganz explizit anfangs auf die Themen Produkt und Reichweitenaufbau konzentriert“, sagt Gründerin Verena Hubertz dazu gegenüber Gründerszene. Bisher habe Kitchen Stories kein „aktives“ Sales-Team gehabt. „Monetarisierung stand bis dato nicht im Fokus und wir haben erstmalig im Jahr 2016 angefangen, unser jetziges Geschäftsmodell im Bereich Branded Entertainment anzutesten.“ Man konzentriere sich auf gesponserte Koch- und Rezeptvideos und Kooperationen für Produktplatzierungen in den Videos, um Geld zu verdienen. Bislang ist das Angebot für Nutzer komplett kostenlos. Dennoch plane man dieses Jahr einen Umsatz in einer Höhe von zwei Millionen Euro – was erneut starkes Wachstum im Vergleich zum Vorjahr bedeuten würde.

In Zukunft sollen laut Hubertz auch datengetriebene Ansätze umgesetzt werden, indem das Startup etwa das Kochverhalten der Nutzer auswertet und so in den Bereich „Smart Kitchen“ vordringen will: „Denkbar sind zum Beispiel Mealplan-Funktionen auf Grundlage von Ernährungspräferenzen der Nutzer sowie der verfügbaren Zutaten im Kühlschrank.“ Daher setzt das Unternehmen laut Gründerin Hubertz auch derzeit „nicht auf Profitabilität sondern auf weiteres Wachstum“. Heißt: Auch in diesem Geschäftsjahr scheint man mit weiteren Verlusten zu rechnen. Der im Bundesanzeiger ausgewiesene Fehlbetrag für das vergangene Geschäftsjahr liegt im Millionen-Bereich. Demnach machte das Unternehmen 2016 etwa 2,5 Millionen Euro Verlust. Dieser setzt sich aus dem Jahresfehlbetrag 2016 (1,1 Millionen Euro) und dem Verlustvortrag aus dem Jahr zuvor zusammen (1,4 Millionen Euro).

Rückzieher bei der Internationalisierung

Weiter geht aus dem Eintrag hervor, dass das Startup bereits 2015 die Personalkosten deutlich kürzte – vor allem weil die Arbeit mit Freelancern wegfiel, begründet das die Gründerin. Nach dem internationalen „Roll-Out und Antesten der Märkte“ habe das Unternehmen zudem in demselben Jahr entschieden, eine Internationalisierung aus „strategischen Gründen“ vorerst nicht weiterzuverfolgen. Während die Kitchen-Stories-App zuvor in zwölf Sprachen bespielt wurde, sind es seitdem nur noch drei: deutsch, englisch und chinesisch. Man habe sich auf die Regionen mit dem größten Potential fokussiert, sagt Hubertz. „Entsprechend mussten wir uns leider in dem Zuge von den Mitarbeiter trennen, die diese Märkte initial betreut haben und die Internationalisierung verantwortet haben.“ Die Personalkosten für die 28 Mitarbeiter des Startups lagen im Jahr 2016 bei 1,2 Millionen Euro.

Wie aus dem Handelsregister hervorgeht, bekam das Unternehmen das bisher letzte Mal im August 2015 neues Kapital. Hubertz kommentiert die Höhe auf Nachfrage nicht. Anfang desselben Jahres investierten bereits Point Nine Capital, BDMI, die Fox-and-Sheep-Gründer Verena Pausder und Moritz Hohl, Cherry Ventures und Seriengründer Frederik Fleck fast zwei Millionen Euro in das Unternehmen. Hubertz sagt: „Das zeigt ebenfalls, wie kapitaleffizient wir mit dem Investment operiert haben und wie wir unsere Runrate eigenständig durch wachsende Umsätze verlängern konnten.“ Eine weitere Finanzierung sei dennoch in Zukunft geplant.

Bild: Kitchen Stories; Hinweis: der Umsatz für 2017 und die Aussage von Hubertz zum Data-Ansatz wurden nachträglich hinzugefügt.

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