„Auf Sicht nicht kostendeckend“: Kaufland stellt Lieferdienst ein

Aus für den Online-Lieferservice von Kaufland. Das Konzept sei nicht wirtschaftlich. Damit wird deutlich, dass Discounter ein Problem mit E-Food haben.

Die Supermarkt-Kette Kaufland stellt ihren Lieferdienst ein. Wie das Unternehmen am Freitag mitteilte, werde das Projekt nach der Pilotphase zum 23. Dezember hin beendet. Bislang war der Service ohnehin nur in Berlin verfügbar und wurde seit dem Start im Jahr 2016 immer wieder neu justiert. Nun habe man aber erkannt, „dass sich ein Lieferservice im Lebensmittelbereich auf Sicht nicht kostendeckend betreiben lässt“, sagte Patrick Kaudewitz, Vorstandsvorsitzender von Kaufland. 

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Für die rund 300 Mitarbeiter in Berlin, die in den Bereichen Logistik und Auslieferung tätig sind, sollen sozialverträgliche Lösungen geschaffen werden, heißt es vom Unternehmen. Rund 80 Mitarbeitern in der Unternehmenszentrale am Standort Heilbronn, die mit dem Lieferservice befasst sind, soll eine andere Position innerhalb von Kaufland angeboten werden. Kaufland will nun verstärkt in seine stationären Geschäfte investieren.

Mit der Begründung des Discounters wird vor allem deutlich, dass E-Food besonders für niedrigpreisige Anbieter derzeit ein Problem ist. „Auch im Internet sollen sich die Kunden auf unser Preisversprechen verlassen können“, sagte Kaudewitz weiter. „Höhere Preise bei der Lieferung von Lebensmitteln sind für uns keine Option.“ Kaufland hatte für Online-Lieferungen die selben Preise wie in den Geschäften verlangt, erhob jedoch bis zu einem Einkaufswert von 100 Euro eine Liefergebühr zwischen 2,75 und 4,75 Euro. Im November hatte Lidl für Aufsehen gesorgt, als der Discounter fast alle Lebensmittel aus dem Online-Shop strich.

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Besonders der Einstieg von Amazon in den E-Food-Markt hatte die Branche aufschrecken lassen. Der Lebensmittel-Service des US-Konzerns ist in Deutschland bisher in Berlin, Hamburg und München verfügbar. Schon in diesem Zusammenhang waren Probleme beim Lieferdienst von Kaufland deutlich geworden: Kurz nachdem Amazon Fresh in der Hansestadt ins Geschäft eingestiegen war, hatte Kaufland den Start seines dort bereits geplanten Lieferdienstes abgesagt.

Im Lebensmittelmarkt machen Online-Einkäufe bislang nur etwa ein Prozent des Umsatzes in Deutschland aus. Allerdings ist der Markt in Bewegung. Startups wie Getnow, Picnic oder MyEnso versuchen mit neuen Konzepten, Kundschaft für den Lebensmittelkauf vom Computer aus zu begeistern. Studien zeigen, dass gerade Konsumenten, die derzeit bei Discountern kaufen, bereit wären, auf Online-Einkäufe umzusteigen.

Bild: © Kaufland

 

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