„Für uns geht es ums Überleben“

Seit einigen Jahren verkaufen zwei Startups Limos aus Kaffeekirschen. Jetzt steht das Konzept dank einer EU-Regel auf der Kippe – und damit auch die Unternehmen.

Die Kaffeebohne ist weltbekannt – genau wie das gemahlene Erzeugnis, welches weltweit verzehrt wird. Weniger bekannt ist hingegen die Frucht, die die Bohne umschließt und der Fakt, dass sie oft im Müll landet.

Doch in den vergangenen Jahren nahm die Bekanntheit immer weiter zu. Kein Wunder also, dass auch junge Unternehmer wie Laura Zumbaum darin eine Chance sahen. Seit 2015 stellt sie daher mit ihrem Startup Selo eine Limo aus diesem Abfallprodukt her: aus Kaffeekirschen.

selo Gründerin Laura Zumbaum

Gründerin Laura Zumbaum

Doch nun steht das Geschäftsmodell auf der Kippe. Denn seit 2016 ist die Kaffeefrucht ein neuartiges Lebensmittel. Wie die Zeitung Die Welt berichtet, hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit die Kirsche in den sogenannten „Novel-Food-Katalog“ aufgenommen. Wann genau dies passierte, ist nicht klar. In diesem Katalog sind Produkte gelistet, die nicht vor 1997 in nennenswerter Weise in der europäischen Union konsumiert worden sind und für die somit erst einmal bewiesen werden muss, dass sie nicht schädlich sind.

Für Zumbaum, die für ihr Unternehmen unter anderem Geld von Business Angel Christophe Maire einsammelte, bedeutet das nun, dass die Hauptzutat ihres bislang einzigen Produktes erst einmal auf Sicherheit und Verträglichkeit getestet werden muss. „Für uns geht es ums Überleben“, sagt die Gründerin. Die Kaffeekirsche sei fester Bestandteil des Sortiments. Doch nun sei die Produktion erst einmal eingestellt. Sie betont, dass ihre Limo sicher und vom BAV-Institut getestet worden sei.

Für Zumbaum ist es ein herber Schlag – denn immerhin stand der Rollout in Filialen der Supermarktkette Edeka bevor, erzählt sie. Deshalb geht Zumbaum nun mit einer medienwirksamen Kampagne daran, die bislang letzten 50.000 Flaschen von Selo zu verkaufen.

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Auch Selos Konkurrenz – das Hamburger Startup Caté – hat nun Probleme. Gründer Bastian Muschke gibt sich jedoch wenig aufgeregt, auch wenn das junge Unternehmen ebenfalls nur das eine Produkt im Sortiment hat. „Wir gehen erst einmal davon aus, dass die Kaffeekirsche nicht als Novel Food durchgeht“, sagt er gegenüber Gründerszene. Einer Prüfung sieht Muschke daher erst einmal gelassen entgegen. Der Gründer, der für sein Startup Geld vom Süßwarenkonzern Katjes einsammelte, will nicht kommentieren, was nun mit den bereits produzierten Getränken passiert oder wie es um die zukünftige Produktion steht.

Laut Die Welt hat ein österreichischer Kaffeehändler namens Panama Varietals die Untersuchung der Kaffeefrucht als Lebensmittel ausgelöst. Dieser sagte gegenüber der Zeitung, man handle selber mit der Frucht und habe mit einer Anfrage sicherstellen wollen, dass der Handel „vollkommen legal“ sei. Mit einer langwierigen Untersuchung habe das Unternehmen nicht gerechnet. Nun hoffe man, dass diese im November abgeschlossen sei.

Die Selo-Gründerin bezweifelt hingegen die Schnelligkeit eines solchen Verfahrens – und arbeitet daher an einem Ersatzgetränk, das sie möglichst schnell auf den Markt bringen will. Als Hauptzutat setzt sie dieses Mal auf die allseits bekannte Kaffeebohne.

Bild: Gettyimages/Inga Spence; bild im Text: Selo, Hinweis: Um 20.45 Uhr am 22. Mai 2017 wurde hinzugefügt, dass der Cate-Gründer die Zukunft des Startups nicht kommentieren will.

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