Ich habe Amazon Fresh am ersten Tag getestet – und es war gut

Unser Autor hat Glück: Sein Kiez wird schon an Tag eins von Amazon Fresh beliefert. So war der Einkauf mit dem gehypten Online-Dienst.

Mein Test von Amazon Fresh, dem gestern gestarteten Lebensmittel-Lieferdienst, beginnt mit einem Moment mittlerer Panik. Es ist 11.54 Uhr, ich habe meinen Warenkorb bereits gut gefüllt, so gut, dass ich mir überlege, den zweiten Kasten Bier wieder herauszustreichen. Ein folgenschwerer Fehler. Plötzlich befinde ich mich unterhalb der Schwelle für den Mindestbestellwert von 40 Euro, ab dem die Lieferung gebührenfrei ist. Gleichzeitig läuft oben rechts ein Countdown, denn wenn ich meine Lebensmittel noch heute Abend erhalten will, muss ich bis zur Mittagszeit bestellt haben.

Und aus irgendeinem Grund scheint Amazon davon überzeugt zu sein, dass die Mittagszeit um 11.55 Uhr eintritt. Mir bleiben auf einmal nur noch wenige Sekunden. Hektisch klicke ich zurück, also doch den Kasten Berliner Bürgerbräu Rotkehlchen Helles (klingt nett, aber was ist das überhaupt für 1 Bier?) in den Warenkorb, weiter, ja, bezahlen, weiter, ja, ja – puh, geschafft. 

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Sekunden später bestätigt mir Amazon per Mail: Ich habe für 52,43 Euro Bratöl, Früchtemüsli, Vollmilch, O-Saft, Karotten und, ja, zwei Kästen Bier bestellt. Zwei Stunden später folgt eine SMS, in der ich an die Lieferung im gewünschten Zeitfenster von 18 bis 20 Uhr erinnert werde: „Bitte seien Sie anwesend.“ 

Es ist das erste Mal, dass ich im Internet Lebensmittel bestelle. Insofern bin ich ein guter Durchschnittsdeutscher, schließlich wird hierzulande noch immer fast ausschließlich offline eingekauft. Der Anteil der Nach-Hause-Lieferungen am Lebensmitteleinzelhandel in Deutschland beträgt weniger als ein Prozent, verkündet die Beratungsfirma Oliver Wyman. Ich schätze meinen Nahkauf-Supermarkt gegenüber meiner Wohnung und den Alnatura um die Ecke vom Büro. Ob mich Amazon zum regelmäßigen Fremdgeher macht?

Dass ich am ersten Tag, an dem Amazon Fresh in Deutschland verfügbar ist, meinen ersten Online-Einkauf tätige, hat weniger damit zu tun, dass ich jeden neuen Amazon-Zusatzdienst haben muss (obwohl in der Küche inzwischen ein Echo steht, der mir morgens die Nachrichten vorliest). Die Wahrheit ist, dass ich der Einzige in der Redaktion bin, in dessen Postleitzahlgebiet Amazon Fresh überhaupt schon ausliefert. Noch so eine Premiere: Vermutlich ist es das erste Mal, dass der Problemkiez Nord-Schöneberg mehr up to date ist als Prenzlauer Berg, Friedrichshain und Pankow. 

Tatsächlich macht der Online-Einkauf Spaß. Viel eher als im Geschäft werde ich dazu verleitet, ausgefallenere Produkte in den Warenkorb zu legen. Zumal Amazon in Berlin auch lokale Food-Manufakturen angeschlossen hat, die Bäckerei Zeit für Brot etwa oder der Kaffeeröster The Barn. Problem: Eine Lieferung am gleichen Tag gibt es für die sogenannten „Lieblingsläden“ nicht. Fliegt also alles wieder aus dem Warenkorb, ich konzentriere mich auf das täglich Notwendige. 

Positiv überrascht bin ich von den Preisen. Der einzige Artikel aus meiner zugegebenermaßen nicht repräsentativen Auswahl, den ich online für einen niedrigeren Preis finde, ist ein Paket haltbare Bio-Vollmilch der „Gläsernen Molkerei“, die es bei Lebensmittel.de für 99 Cent gibt, bei Amazon kostet sie zehn Cent mehr. Ansonsten gleichen sich die Preise oder werden sogar unterboten: Der Bio-O-Saft von Grünland kostet bei Allyouneedfresh 2,29 Euro, bei Amazon nur 1,69. 

Und der Kasten Berliner Bürgerbräu (von dem ich in der Zwischenzeit mit Bedauern festgestellt habe, dass es sich keineswegs um eine hippe Craftbeer-Bude handelt, sondern nur eine Marke des Brauerei-Riesen Radeberger) kostet bei Trinkkiste.de 14,39 Euro, bei Amazon nur 12,40.

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Trotzdem ist Amazon Fresh unterm Strich ein teurer Spaß, wie ich finde: Man muss Prime-Kunde sein, was bereits mit mindestens 69 Euro pro Jahr zu Buche schlägt, dazu kommt die Fresh-Grundgebühr von 9,99 Euro und, falls man unter dem Mindestbestellwert von 40 Euro bleibt, eine Liefergebühr in Höhe von 5,99 Euro. 

Dafür kommt meine Bestellung pünktlich und problemfrei. Der DHL-Lieferant ist freundlich und bleibt es auch, nachdem klar ist, dass er in den vierten Stock ohne Aufzug muss, außerdem den Weg aufgrund der zwei Bierkisten drei Mal machen muss. 

Nicht schlecht. Wahrscheinlich werde ich noch ein paar Mal mit Amazon Fresh online einkaufen. Dass ich allerdings in mehr als vier Wochen noch dabei bin, glaube ich eher nicht. Denn dann läuft mein kostenfreier Prime-Probemonat aus. 

Bild: Gründerszene

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