HelloFresh setzt jetzt auf Kühlschränke mit Fertiggerichten

Kurz vor dem geplanten IPO verkündet der Berliner Kochboxen-Versender, dass er sich ein zweites Standbein aufbauen will: Smarte Kühlschränke für Büros.

Bisher ist das Berliner Startup HelloFresh für den Versand von Kochboxen bekannt. Darin befinden sich frische Zutaten, mit denen Kunden Gerichte zubereiten sollen. Doch jetzt, sechs Tage vor dem geplanten Börsengang der Firma, kündigt das Startup einen neuen Schritt an: Es will sich ein zweites Standbein aufbauen.

Unter dem Namen HelloFreshGO teste man seit Anfang Oktober intelligente Kühlschränke in mehreren Berliner Unternehmen, heißt es vom Unternehmen. In den Kühlschränken würden sich neben Getränken vor allem frische Snacks befinden, wie Salate, Sandwiches, Energieriegel oder ganze Menüs. Die Mahlzeiten würden täglich von Partnerunternehmen zubereitet. Die Kunden sollen dann dafür zwischen einen und fünf Euro je nach Snack zahlen.

Mittels einer speziellen Software könne der Kühlschrank die Waren immer rechtzeitig nachbestellen. Außerdem lerne das System ständig dazu, um beispielsweise die Produktauswahl zu optimieren. Die Kühlschränke ließen sich in den Unternehmen flexibel platzieren und benötigen einen Stromanschluss und einen WLAN-Zugang. Mitarbeiter können sich mit einer ID-Karte oder ihrem Fingerabdruck am Automaten registrieren und bargeldlos bezahlen. Der gesamte Einkaufs dauere etwa zehn Sekunden. Rund 150 Euro soll der Automaten-Service eine Firma im Monat kosten, so HelloFresh, es gebe auch diverse Bezuschussungsmodelle.

Anfang 2018 wird der Service laut HelloFresh auch in anderen Städten in Deutschland verfügbar sein: in Hamburg, Frankfurt, Düsseldorf, Köln und München. Die Kühlschränke gebe es in verschiedenen Größen und Ausführungen für Unternehmen ab 75 Mitarbeitern, so das Startup. Auch in öffentlichen Einrichtungen wie Schulen und Krankenhäusern solle es sie bald geben.

Das neue Business ist nicht ohne Risiko

Der Zeitpunkt der Veröffentlichung der Nachricht ist bewusst vor dem Börsengang gewählt. Mit der Nachricht will das Unternehmen Aktionären beweisen, dass es nicht nur das schwierige Kochboxen-Geschäft vorzuweisen hat, sondern auch noch eine andere Einnahmequelle. Denn die Zweifel am Markt sind groß: HelloFresh-Konkurrent Blue Apron, der bereits im Sommer in den USA an die Börse ging, hat seitdem eine desaströse Performance hingelegt und hunderte Mitarbeiter entlassen. 

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Wie hart aber auch das Geschäft mit intelligenten Kühlschränken sein kann, hat die Insolvenz eines anderen Startups gezeigt. Ende 2014 war das Berliner Home Eat Home mit finanzieller Unterstützung von Coca-Cola gestartet. Das Startup stellte smarte Kühlschränke in Shops mit langen Öffnungszeiten, Fitness-Studios, Supermärkten und Unternehmen auf. Gefüllt waren sie zunächst mit Tüten und Boxen, die Zutaten für eine oder mehrere Mahlzeiten zum Kochen enthielten. Kunden konnten die Geräte per App öffnen.

Später erweiterte Home Eat Home sein Sortiment und experimentierte mit fertigen Snacks und Gerichten, zum Beispiel mit Müslis, Salaten oder teureren Gerichten von Eating with the Chefs, das heute ebenfalls nicht mehr aktiv ist. Der Erfolg stellte sich allerdings nicht ein. Ein Problem: Home Eat Home setzte viel auf Laufkundschaft, die Abdeckung mit den Kühlschränke war allerdings gering. Ein Fehler, den HelloFresh mit seinem Ansatz vermeiden will. Aufwendig bleibt allerdings die Logistik, um die Kühlschränke täglich frisch zu befüllen.

Bild: HelloFresh

 

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