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Sucht HelloFresh einen Käufer?

HelloFresh-CEO Dominik Richter auf dem TOA-Festival im Sommer

Es ist Rockets derzeit wohl wichtigstes Startup: HelloFresh, der Lieferdienst für Kochboxen, der zuletzt mit über 2,6 Milliarden Euro bewertet wurde. Auch nach dem geplatzten Börsengang vor einem Jahr ruhen auf dem Venture die größten Hoffnungen, Rocket endlich wieder einen Zalando-ähnlichen Erfolg – und vor allem den entsprechenden Return – zu bescheren.

Eigentlich gilt daher ein HelloFresh-IPO noch immer als ausgemachtes Ziel. Erst vor kurzem sagte CEO Dominik Richter dem Wall Street Journal, HelloFresh sei immer noch „in einer Art strukturiert, um letztendlich ein börsennotiertes Unternehmen zu werden“.

Update, 11. Oktober: Einen Tag nach der Veröffentlichung des Artikels wehrt sich HelloFresh gegen die Interpretation, das Unternehmen sei auf Käufersuche. „HelloFresh steht definitiv nicht zum Verkauf“, betont eine Sprecherin. Alles andere seien „wilde Spekulationen“.

Das mag sein. Doch offenbar erkundet man bei Rocket inzwischen auch andere Wege, um die Beteiligung zu Geld zu machen. Wie das französische Journal du Net berichtet, ist HelloFresh auf der Suche nach einem Käufer. Demnach hat das Unternehmen vor mindestens einem zahlungskräftigen Interessenten aus der Food- beziehungsweise Retail-Industrie gepitcht. Das Medium zeigt Folien mit internen Zahlen und Prognosen, die dem potenziellen Käufer präsentiert wurden.

Gegenüber Gründerszene will eine HelloFresh-Sprecherin den Strategieschwenk weder dementieren noch bestätigen. „Wir machen grundsätzlich keine Angaben zu unserer Betriebsplanung“, so die Sprecherin. Die auf den Folien gezeigten Zahlen entsprächen allerdings nicht der aktuellen Planung. Tatsächlich beziehen sie sich auf das erste Quartal 2016 (inzwischen hat HelloFresh auch Halbjahreszahlen veröffentlicht) – und sind damit auch heute noch höchst aussagekräftig.

  • Zum Beispiel geht daraus hervor, wie stark HelloFresh in den kommenden Jahren weiter wachsen will. Für 2016 wurde ein Umsatz von 700 Millionen Euro angenommen, für das Folgejahr 1,3 Milliarden und für 2018 sogar 1,8 Milliarden Euro. Auf hohem Niveau würde HelloFresh also weiter hohe Wachstumsraten erreichen. Im Vergleich zu 2015 wären es 130 Prozent, von 2016 auf 2017 86 Prozent und von 2017 auf 2018 immerhin noch 38 Prozent. Allerdings wären die irrsinnigen Wachstumsraten der letzten vier Jahre Geschichte: Da lag das jährliche Umsatzwachstum – logischerweise auf niedrigerem Niveau – zwischen 300 und 500 Prozent.
  • Außerdem zeigen die Folien, dass der Rohertrag einer Box durchschnittlich bei 14 Prozent liegt; für das Gesamtjahr 2016 werden 17 Prozent prognostiziert. Dieser Wert soll 2017 auf 25 Prozent und 2018 auf 30 Prozent steigen. Damit würde HelloFresh 2017 erstmals ein positives bereinigtes Ebitda von plus fünf Prozent erreichen, das 2018 auf 15 Prozent steigen soll. Dass das Unternehmen trotz der positiven Kalkulation pro Box momentan massive Verluste schreibt, liegt vor allem an den hohen Marketingausgaben. Laut der aktuellen Halbjahreszahlen gab HelloFresh in den ersten sechs Monaten dieses Jahres wuchtige 80,5 Millionen Euro dafür aus.

Um näher an die Gewinnzone zu rücken, soll HelloFresh zuletzt auch seine Ausgaben für den Kundenservice und Mitarbeiter in der Logistik reduziert haben. Das berichtete am Freitag Bloomberg. Es gibt also einen Plan, wie der Weg in die schwarzen Zahlen verlaufen soll – was für beide Szenarien eine Voraussetzung ist: für einen Börsengang genauso wie für eine Übernahme.

Ob allerdings ein Käufer bereit sein wird, eine Akquisition auf Grundlage der 2,6-Milliarden-Euro-Bewertung durchzuführen, ist mehr als fraglich. Nach Gründerszene-Informationen signalisierte der Interessent, dass es bei dieser Summe keinen Deal geben würde. Noch illusorischer erscheinen vor diesem Hintergrund die 3,3 Milliarden Euro, die Rocket-CEO Oliver Samwer als Unternehmenswert für den geplanten IPO vor einem Jahr angeblich eingefordert hatte.

Hier wird sich Rocket bewegen müssen. Allerdings: Die Zeit drängt. Zwar betont HelloFresh-CEO Richter immer wieder, sein Unternehmen sei gut finanziert. Doch erst kürzlich wurde bekannt, dass das Rocket-Venture im Frühjahr frisches Geld über eine Kapitalerhöhung und Kredite aufnehmen musste – überwiegend von Rocket selbst.

Bild: © Tech Open Air / Pablo Ruiz

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