Ein Passwort wird per E-Mail an Sie geschickt

So funktioniert das Salat-Startup, das 2,2 Millionen einsammeln konnte

Ein Salat von GreenGurus

GreenGurus liefert frische Salate innerhalb von 30 Minuten aus – bisher mit Erfolg. Was macht die Berliner besonders? Wir haben mit Gründer Paul Gebhardt gesprochen.

Die Idee ist schnell erklärt: Das junge Unternehmen GreenGurus aus Berlin liefert frische Salate für rund sechs Euro, gesunde Sandwiches, Frühstücksmüsli oder Getränke aus. Die Lieferung erfolgt innerhalb von 30 Minuten nach Bestelleingang, so das Versprechen. Geliefert wird mit einem E-Roller, die Verpackung ist biologisch abbaubar. Bisher ist GreenGurus ausschließlich im Berliner Zentrum aktiv.

So weit so gut. Doch das Liefergeschäft mit Lebensmitteln ist schwierig und komplex, die Zutaten müssen knackig bleiben, der Fahrer tatsächlich pünktlich beim Kunden eintreffen. Mehrere Startups sind daran bereits gescheitert.

Bei GreenGurus, das diesen März von den Studienfreunden Dimitrios Ploutarchos und Paul Gebhardt (beide 31) gestartet wurde, lief es bisher rund. Der bekannte Investor Christophe Maire erwarb kurz nach dem Start 12 Prozent der Anteile über sein neu gegründetes Atlantic Food Labs. Mittlerweile beschäftigt GreenGurus 20 Mitarbeiter, zusätzlich 70 Fahrer und zehn weitere Helfer in der Küche.

Auch der Berliner Geldgeber Project A hat in GreenGurus investiert und dafür 17 Prozent der Anteile erhalten, wie Deutsche Startups vergangene Woche zuerst berichtete. Ebenso Andreas Berger, ehemaliger Geschäftsführer von Aldi und CEO des Schweizer Späti-Betreibers Valora, der allerdings nur einen geringen Betrag in das Startup steckte. Insgesamt konnte Green Gurus bisher 2,2 Millionen Euro an Risikokapital einsammeln. Ein guter Anlass für ein Interview mit Gründer Paul Gebhardt.

Paul, wie seid Ihr auf die Idee für Green Gurus gekommen?

Wir waren schon immer Foodies und haben uns viel mit dem Thema Ernährung beschäftigt. So haben wir bemerkt, dass es keine schnelle, gesunde und vor allem frische Lunch-Alternative im Lieferbereich gibt. Was man heute wirklich schnell bekommt, ist Pizza, Burger oder Kebap. Foodora und Deliveroo sind im Lunch-Markt häufig keine Alternativen, weil sie einen Mindestbestellwert und lange Lieferzeiten haben. Wir liefern derzeit in durchschnittlich 20 Minuten ohne jegliche Liefergebühren und Mindestbestellwerte und unsere Produkte sind für die Auslieferung konzipiert. Sie sind frisch und gesund und kommen in 100 Prozent kompostierbaren Verpackungen.

War das nicht auch der Ansatz des Rocket-Startups EatFirst, das gescheitert ist?

Ich würde uns ungern mit Rocket Internet vergleichen, weil wir – anders als Rocket – Produktliebhaber sind. Wir wollen den weltbesten Salat anbieten, der schnell geliefert wird. Rocket hat mit EatFirst im Prinzip Kantinenessen ausgeliefert. Das ist meiner Meinung nach schon ein Unterschied. Außerdem funktioniert unser Prozess ganz anders.

Wie funktioniert Euer Prozess?

Für starten unsere Produktion morgens ab vier Uhr. Ab neun Uhr platzieren wir im Stadtgebiet unsere sogenannten fliegenden Kühlschränke, Elektroroller mit großen Kühlboxen, die das gesamte Produktinventar mit sich führen. Diese Roller positionieren wir dann in den jeweiligen Stadtvierteln. Unsere Fahrer müssen nach jeder Bestellung nicht noch irgendwo hinfahren und auf die Herstellung der Gerichte warten. So legen unsere Roller im Schnitt nur 200 bis 300 Meter zurück, weil das System sofort erkennt, welcher Fahrer in der Nähe ist und ob er die gewünschten Salate dabei hat.

Euer Angebot ist überschaubar, der Lieferkreis ist klein, Ihr habt nur wenige Produkte. Wie viel Umsatz macht Ihr im Monat?

Zum Vergleich: Wir setzen so viel um wie drei Filialen der Salatbar Dean & David.

Aha. Wie viel ist das?

Das wollen wir nicht genau sagen. Aber wir verkaufen am Tag 1.000 Produkte, darunter auch Getränke. In den Hauptzeiten haben wir 34 Fahrer im Einsatz.

Project A investiert üblicherweise nicht in Food-Startups. Wieso in Euch?

Wir sind gar kein klassisches Startup, sondern eher ein Restaurant – damit sind wir gar kein gängiges Modell für einen VC. Was Project A aber gesehen hat, ist, dass wir in einer Stadt wie Berlin nach einer Lieferung profitabel sind. Das heißt, wir decken die Kosten für das Gericht, die Fahrer und die Roller. Das ist bei anderen bekannten Liefer-Startups nicht so.

Wann wollt Ihr in weitere Städte expandieren?

Da sind wir entspannt. Solange wir schnell genug in Berlin wachsen, bleiben wir erst einmal nur in Berlin und bauen hier das Liefergebiet aus. Im nächsten Schritt wollen wir nach Hamburg und Frankfurt. Wir wollen lieber ein nachhaltiges Geschäft aufbauen.

Habt Ihr keine Angst, dass Gründer aus anderen Städten euch die Idee klauen?

Nein, denn der Teufel liegt bei diesem Modell im Detail. Denn man muss richtig gutes Essen machen und ein gutes Produkt aufbauen – und das ist leichter gesagt als getan. So schnell zu liefern, wie wir das machen, ist eine große Herausforderung. Aber natürlich ist der Markt groß, insofern wird es künftig mehr virtuelle Restaurantketten wir Green Gurus geben. Das würde uns sogar helfen, denn dann würden die Kunden das Modell schneller verstehen.

Plant Ihr, die Produktpalette zu erweitern?

Wie haben seit vergangener Woche Sandwiches im Angebot, ab kommender Woche wir es Smoothies geben. Aber wir fokussieren uns weiterhin auf gesunde und frische Gerichte.

Danke für das Interview, Paul.

Green Gurus Team

Das Kernteam von GreenGurus: Paul Gebhardt, Chloe Lasseron (auf dem Fahrrad), Dimitrios Ploutarchos und Christina Kronser (von links nach rechts)

Bild: Green Guru

Folge NGIN Food auf:

In Kooperation mit