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Sie wollen das Ende der Plastiktüte

Originalbild unter: http://randy.fotograf.de/photo/5444e3f9-c910-46d0-85c9-67e50a22ae0d

Das neueste Projekt eines Berliner Startups soll den Regenwald retten – beim Einkaufen. Für das gute Gefühl der Kunden und deren Kauf-Statistiken zahlen die Händler.

Rund 70 Plastiktüten verbraucht ein durchschnittlicher Deutscher laut Umweltbundesamt pro Jahr. Statt sie mehrmals zu benutzen, schmeißen sie die meisten Verbraucher nach nur 25 Minuten Einsatzzeit in den Müll. Und bis die Tüten verrottet sind, vergehen mehrere hundert Jahre. Im EU-Vergleich (198 Stück jährlich) ist der deutsche Wert zwar relativ niedrig. Von der Spitzenposition, die mit 18 Tüten pro Kopf und Jahr derzeit Irland belegt, ist er aber noch weit entfernt. Um gegenzusteuern, verzichten mehrere Supermärkte und Discounter seit einiger Zeit auf Plastiktragetaschen. In Läden wie H&M oder Tchibo kosten die Tüten inzwischen Geld. All das soll den Verbrauch senken.

Mit einer besonderen Einkaufstasche will dazu auch ein Berliner Startup beitragen. Bonsum betreibt eigentlich ein Bonussystem für nachhaltiges Einkaufen, eine Art grünes Payback. Nun haben die Firmengründer auf einer Nürnberger Bio-Messe allerdings eine Tragetasche vorgestellt, die Kunden für Einkaufstouren ohne Plastiktüte mit einem guten Gewissen belohnen soll. Die Funktionsweise ist schnell erklärt: Der eingenähte NFC-Chip wird an einem separaten Tablet an der Kasse gescannt. Mithilfe des Übertragungsstandards NFC lässt sich ansonsten beispielsweise kontaktlos mit dem Smartphone bezahlen. Pro Taschen-Scan geht eine Spende an Regenwaldschutz-Projekte.

Goodbag

Diesen Screen sehen Kunden nach dem Taschen-Scan.

Dafür, dass Kunden mit der sogenannten Goodbag bei ihnen einkaufen, zahlen die teilnehmenden Händler eine monatliche Gebühr. Bonsum-Mitgründer Frederik Betz versteht das Taschen-Konzept auch als CSR-Maßnahme: „Manche Unternehmen stecken jährlich viel Geld in Sozial-Projekte. Wir geben ihnen die Möglichkeit, die Leute in ein konkretes Projekt einzubinden. So wird CSR erlebbar“, meint er. Ein weiter, womöglich wichtigerer Vorteil: Mit jedem Scan geben Kunden etwas über ihr Einkaufsverhalten preis. Diese Informationen spielt Bonsum an die Händler zurück – in nach eigenen Angaben anonymisierter und aggregierter Form.

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Bislang kann man die Goodbag zwar auf der Webseite des Startups kaufen, aber noch nicht wie beworben nutzen. Bei ersten Einzelhändlern, voraussichtlich in Berlin, würde die Lösung erst in den nächsten Wochen implementiert, so Betz. Mit größeren Supermarktketten befinde sich das Team derzeit in Verhandlungen. Darüber hinaus wollen Betz und Bonsum-Geschäftsführer Michael Weber die Taschen-Idee irgendwann mit ihrem grünen Bonusprogramm kombinieren. Für den Einkauf ohne Plastiktüte könnten sie die Verbraucher dann etwa mit Gutscheinen belohnen.

Gleichnamige Tasche in Österreich

Die Berliner Goodbag ist nicht die Einzige ihrer Art. Das österreichische Startup Bgood verkauft eine Tasche, die genauso funktioniert wie die deutsche – und ebenfalls Goodbag heißt. Auch hier wird bei jedem Einsatz für Umwelt- oder Sozialprojekte gespendet. In Wien machen schon einige Läden mit. Die Erklärung von Betz dazu fällt knapp aus: Man habe anfangs zusammengearbeitet, das Produkt später aber „weiterentwickeln und vor allem für Deutschland fit machen wollen“. Letztendlich sei die Zusammenarbeit gescheitert, jetzt gehe man getrennte Wege, so der Gründer. Über Details könne er aktuell nicht sprechen – aus rechtlichen Gründen.

Betz hatte vor der Bonsum-Gründung im Jahr 2014 bei Rockets Mobile-Payment-Startup Payleven (mittlerweile SumUp) gearbeitet. Weber war lange Jahre Investmentbanker in London, später unter anderem beim Bertelsmann-Konzern angestellt.

Bild: Bonsum

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