Freeletics sucht einen Käufer oder Investor

Bisher hat das Münchner Fitness-Startup Freeletics keine Investoren in sein Unternehmen gelassen – doch das soll sich nun ändern. Auch ein Verkauf ist eine Option.

Freeletics zählt zu den Erfolgsgeschichten der deutschen Startup-Szene. Die Fitness-App aus München ist in vielen Ländern der Welt beliebt und setzt im Jahr mehrere Millionen Euro um. Die Gründer Andrej Matijczak, Mehmet Yilmaz und Joshua Cornelius haben sich aus dem operativen Geschäft schon lange zurückgezogen, halten aber nach wie vor fast alle Anteile. Drei Prozent haben sie abgetreten – an ihren Studienfreund und den ehemaligen BCG-Berater Daniel Sobhani, der Freeletics seit Mitte 2014 leitet. Fünf Prozent am Unternehmen hält zudem der ehemalige CTO Thomas Obermüller.

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Wie Gründerszene nun von mehreren Quellen erfahren hat, sucht Freeletics derzeit einen Käufer. Dies bestätigt Geschäftsführer Sobhani auf Nachfrage. Er betont allerdings auch, dass es nicht unbedingt ein kompletter Verkauf sein müsse. Ein Investor, der nur einen Teil übernimmt, sei ebenfalls eine Option. „Wir haben für die nächsten Jahre eine klare Strategie mit entsprechenden Wachstumshebeln“, sagt Sobhani. „In diesem Zusammenhang sehen wir nun zum ersten Mal in unserer Firmengeschichte das deutliche Potenzial, unser Wachstum durch externes Kapital nachhaltig weiter voranzutreiben.“

Im vergangenen Sommer sagte Sobhani noch gegenüber Gründerszene, dass seine Firma bisher keinen Vorteil in der Zusammenarbeit mit einem externen Geldgeber gesehen habe.  

Konkrete Angebote liegen bereits vor

Aktuell führe Freeletics nun „diverse Gespräche mit potenziellen Partnern“ im In- und Ausland und prüfe unterschiedliche Möglichkeiten. „Wir haben bereits konkrete Angebote erhalten“, sagt Sobhani gegenüber Gründerszene. „Eine Entscheidung treffen wir jedoch erst, wenn wir ein umfassendes Bild der sich uns bietenden Möglichkeiten haben und uns bezüglich eines Partners sicher sind.“ 

Die Angebote, die Freeletics bereits vorliegen, seien sehr unterschiedlich. Es gebe Interessenten, „die ausschließlich Growth-Kapital investieren wollen“ sowie Partner, die an einer Mischung aus Wachstumskapital und Equity-Übertragung interessiert seien.

„Wir wollen uns keinesfalls zurücklehnen und ausruhen“

Über Freeletics sind nur wenige Zahlen bekannt. Das App-Startup beschäftigt aktuell rund 130 Mitarbeiter und ist nach eigener Aussage profitabel, macht aber keine Angaben zum Gewinn. 2014 setzte es vier Millionen Euro um, 2015 dann mit 16 Millionen Euro viermal so viel. Das Geld kommt vor allem von Nutzern, die in der App Geld für Zusatzfunktionen ausgeben. So bekommen die User dann beispielsweise Zugriff auf mehr Übungen, einen Coach oder Ernährungstipps.

In den vergangenen Jahren und Monaten versuchte Freeletics außerdem, den Umsatz mit weiteren Apps (Freeletics Running, Freeletics Nutrition), Expansionen in Länder wie Japan oder der Türkei sowie einer Modekollektion zu steigern.

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Wie gut die neuen Produkte funktionieren, ist nicht klar. Freeletics scheint nun aber externes Geld zu benötigen, um noch schneller wachsen zu können. „Primär geht es uns darum, zu evaluieren, ob es einen Partner gibt, der unserem Unternehmen, unseren Mitarbeitern und unseren Nutzern einen großen Mehrwert bietet und mit uns gemeinsam unsere Vision umsetzt“, sagt Sobhani. Wie viele Anteile dabei übertragen werden, sei eine „nachgelagerte Frage“, die erst später geklärt werde.

Ihm sei es vor allem wichtig, dass ein künftiger Investor oder Eigentümer die Werte von Freeletics teile. „Mit dem externen Kapital wollen wir uns keinesfalls zurücklehnen und ausruhen“, betont Sobhani. Das Fitness-Unternehmen wolle auch in Zukunft viel erreichen. „Ein Exit in der Form, dass Freeletics im Nachgang vom Markt verschwindet, in einer Schublade verstaubt und nicht mehr weiterentwickelt wird, ist für mich keine Option.“ 

Bild: Freeletics

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