„Dank Glyphosat werden Insekten wahrscheinlich bald zur Delikatesse“

Sie verkauft zusatzfreie Tütengerichte und ist Teil einer Handelsdynastie: Janina Otto über nachhaltige Ideen, Hierarchien im Lebensmittelhandel und das Müllproblem.

Mit ihrem Startup für Instant-Essen will sich Janina Otto gegen Marken wie Maggi oder Knorr durchsetzen. „Ich habe erlebt, wie schwer es damals war, den Handel von fairen, nachhaltigen Produkten zu überzeugen“, sagte Otto vor Kurzem gegenüber NGIN Food. Unter dem Namen Frau Ultrafrisch verkauft die 32-Jährige zum Beispiel Tütensuppen und sogenannte Smoothie-Kekse, also kleine Happen aus Fruchtpüree, das in Form gegossen und gefriergetrocknet wurde. Zum Jahreswechsel hat sie für uns aufgeschrieben, was sie 2017 bewegt hat – und was ihre Vorhersagen für 2018 sind.

Applaus, Applaus: Welche Gründer haben dich im vergangenen Jahr am meisten beeindruckt?

Mich beeindrucken alle Gründer, die über das Firmenwachstum hinaus denken und sich der Umwelt, den Menschen und der Erhaltung unseres Planeten verpflichtet fühlen. Zum Glück gibt es immer mehr, sodass ich gar nicht den einen oder die eine nennen möchte.

Trial and Error: Aus welchen Fehlern hast du im letzten Jahr gelernt?

Im Handel bewegt sich viel, aber immer noch nicht genug. Leider muss man beim Vertrieb teilweise noch den Hierarchiegedanken leben, was mir schwer fällt, denn ich finde ihn überholt. Aber das ist definitiv ein Learning. Startups mit tollen Ideen sollten besser supported werden. 

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Es braucht viel Mut und Kraft, um gute Ideen umzusetzen. Ich finde, diese Ideen sollten nicht durch rein wirtschaftlich denkende Handelsmitarbeiter entkräftet werden. Alle sollten an die Zukunft ihrer Kinder denken. Die Zeit, nur Geld zu verdienen, ist vorbei.

Krypto-Boom: Wo steht der Bitcoin heute in einem Jahr?

Ich hoffe vor allem, das Bitcoin nachhaltiger wird! Die Idee einer digitalen, internationalen Währung ist super, aber das Fundament stimmt meines Erachtens noch nicht ganz.

Großes Krabbeln: Wird man in einem Jahr Insekten-Burger bei McDonald’s essen können?

Ich glaube dazu ist der Großteil der Bevölkerung noch nicht bereit. Dank Glyphosat sind Insekten wahrscheinlich bald sowieso die reinste Delikatesse.

Roboter als Fahrer: Werden uns Taxis bis Ende 2018 fahrerlos herumkutschieren?

Gute Challenge! Ich bin ziemlich sicher, dass das eng wird, da ich weiß, wie viele Probleme noch im Detail stecken.

Digitale Helfer: Auf welche App willst du 2018 auf keinen Fall verzichten?

Die einzige App, die ich wirklich brauche, ist RegenRadar.

Schreibtisch-Lektüre: Welches Buch sollten Gründer 2018 unbedingt lesen?

Der Alchimist.

Was darf’s sein? Welche Wünsche hast du an die Politik?

Ich würde mir mehr Verantwortungsbewusstsein, Ehrlichkeit und altruistisches Handeln wünschen. Die Politik sollte nicht nur die großen Konzerne unterstützen, sondern die echten Wünsche der Bevölkerung umsetzen.

Einhörner, an die Arbeit! Welches nervige Alltagsproblem hat bisher noch kein Startup gelöst?

Die Müllproblematik ist für mich ein Riesenthema. Jeden von uns nervt doch der ganze Müll. Da man nicht jedes Unternehmen bekehren kann, müssen meiner Meinung nach nachhaltige Lösungen gefunden werden, die wettbewerbsfähig sind.

Bild: Romy Gessner Fotografie

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