Warum Foodwatch die Spenden von Amazon ablehnt

Bei Amazon können Kunden einen Teil ihrer Kaufsumme spenden – doch jetzt will Foodwatch das Geld nicht annehmen. Die Organisation kritisiert Amazons Vorgehen scharf.

Zwischen Foodwatch und Amazon ist es zu einem ausgewachsenen Streit gekommen. Die Verbraucherorganisation wehrt sich voller Empörung dagegen, Geld von dem Online-Händler anzunehmen. In einem Brief an den Chef von Amazon Deutschland, Ralf Kleber, kritisiert Foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker eine „unverschämte Irreführung“ durch das Spendenportal Amazon Smile. Die gemeinnützige Organisation machte den Brief am Montag öffentlich.

Der Hintergrund: Der US-Online-Riese hat im vergangenen Herbst auch in Deutschland sein Spendenportal eingeführt, das in den USA schon lange erfolgreich läuft. Unter dem Motto „Einkaufen und dabei etwas Gutes tun“ können Kunden, die über Amazon Smile bestellen, 0,5 Prozent der Kaufsumme an eine wohltätige oder gemeinnützige Organisation ihrer Wahl spenden. Anklicken genügt.

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Auch für Foodwatch gab es ein Kästchen – bis zum vergangenen Freitag. Da reagierte das E-Commerce-Unternehmen auf Rückers Protestbrief und strich die Essensaufpasser von seiner Liste. Foodwatch hätte 83,15 Euro an Spendengeldern einkassieren können, wie Amazon Smile in einem Schreiben angekündigt hatte. Doch Rücker lehnte dankend ab und schlug vor, das Geld stattdessen an eine andere Organisation weiterzureichen. Denn er wirft Amazon Verbrauchertäuschung vor: „Die Art und Weise, wie Sie Ihre Spendenplattform auf den Markt drücken, führt Ihre Kunden und potenzielle Unterstützer gemeinnütziger Organisationen an der Nase herum“, schreibt er. Foodwatch stört sich vor allem daran, nicht vorab gefragt worden zu sein.

Foodwatch fürchtet um Glaubwürdigkeit

Amazon bestätigte das Vorgehen, Organisationen zunächst ohne deren Zustimmung zu listen. Man kooperiere mit dem IT-Portal für Non-Profit-Organisationen „Stifter-helfen.de“. „Die dort registrierten Organisationen werden als potenzielle Beitragsempfänger auf Amazon Smile geführt“, sagte ein Sprecher. „Sollte eine Organisation keine Listung auf Amazon Smile wünschen, so kann sie sich einfach unter org.amazon.de an uns wenden.“

Foodwatch unterstrich, man werde von Amazon kein Geld annehmen – und wolle auch nicht, dass dieser Eindruck erweckt werde. Grund: Der Konzern handele auch mit Lebensmitteln und baue dieses Geschäft in Deutschland sogar massiv aus. Die Entgegennahme von Spenden eines Wettbewerbers könne deshalb die Glaubwürdigkeit von Foodwatch untergraben, fürchtet Rücker.

Sie würde gegen den Grundsatz der Unabhängigkeit verstoßen. Erschwerend kommt aus Sicht der Lebensmittelaufpasser hinzu, dass das Geld nicht wirklich aus dem Einkaufsvorgang selbst als Spende abgezweigt wird. Vielmehr schreibt Amazon den entsprechenden Betrag der ausgewählten Organisation gut und überweist ihn.

Den Kunden werde seit Monaten signalisiert, sie unterstützen Foodwatch mit ihren Einkäufen. Tatsächlich komme jedoch kein Geld von Amazon dort an, betont die Organisation. Erst im Nachhinein sei man aufgefordert worden, sich als Empfänger von Spenden bei Amazon Smile zu registrieren – was Rücker ablehnte.

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Eine Rechnung zeigt die Mehrkosten

Andere Organisationen sehen die Amazon-Aktion weniger kritisch. Das Kinderhilfswerk Arche führte beispielsweise in der Vorweihnachtszeit eine Spendenaktion mit Amazon Smile durch. Auch das Deutsche Rote Kreuz, der Malteser Hilfsdienst, Sportvereine und Kindergärten können als Empfänger angeklickt werden. „Amazon Smile ist eine einfache Möglichkeit für Sie, die soziale Organisation Ihrer Wahl bei jedem Einkauf zu unterstützen, ohne dass dafür Kosten anfallen“, heißt es auf der Website des Unternehmens. In den USA hat Amazon nach früheren Angaben bereits 37 Millionen Dollar an 170.000 soziale und andere wohltätige Einrichtungen verteilt.

Verbraucherschützer rieten kürzlich dennoch von dem Spendenservice ab. Die Verbraucher zahlten für Einkäufe im Durchschnitt mehr als bei anderen Anbietern, ermittelte die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen anhand von Beispielkäufen im Wert von 8.025 Euro. Diese Waren hätten nach der Erhebung bei anderen Händlern für 6.541 Euro eingekauft werden können. Rechnerisch hätten die Käufer also statt 40,12 Euro – der Amazon-Satz von 0,5 Prozent auf den Rechnungsbetrag – die Differenz der Kaufpreise von 1.484 Euro spenden können. Das wäre knapp 37-mal so viel. Zudem könne die milde Gabe obendrein steuersparend geltend gemacht werden, rechnete die Verbraucherzentrale vor.

Dieser Artikel erschien zuerst bei Welt Online.

Bild: ADRIAN DENNIS/Getty

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