“Wir haben die Chance, zusammen erfolgreicher als Silicon-Valley-Größen zu werden”

Wann wollt ihr insgesamt profitabel werden?

Für uns ist klar, dass wir 2017 so weitermachen wollen und uns auf das Wachstum konzentrieren. Wir haben Osteuropa und den Nahen Osten als profitable Regionen, eine gute Cash-Ausstattung und damit die Flexibilität, in Asien weiter zu expandieren. Wir wollen signifikant größer werden als noch 2016.

Ihr seid in teilweise sehr schwierigen Märkten aktiv. In Indien sollen zum Beispiel Betrügereien ein großes Problem gewesen sein.

Am Anfang sind wir mit dem Gedanken in die Länder gegangen, dass wir einen Marktplatz bauen, der sich selber managt. Wie bei Ebay, Kunden und Verkäufer werden sich schon finden. Nun ist es aber in vielen Märkten so, dass die Disziplin auf der Verkäuferseite, also den Restaurants, nicht so ist, wie man sie sich vorstellt. Mit dem westlichen Gedanken, dass der Markt und die Plattform sich schon regulieren werden, kann man hier nicht das beste Kundenerlebnis sichern.

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Wir mussten viel mehr kontrollieren, als wir ursprünglich dachten. Also mussten wir unser Konzept überdenken und zu einem „Managed Marketplace“ werden. Wir haben in den letzten anderthalb Jahren unsere Plattform neu entwickelt und unsere Prozesse geändert. Wir checken genau, welche Restaurants auf die Plattform kommen, prüfen regelmäßig ihre Qualität und ihre Schnelligkeit. Mehren sich Probleme, wird das festgehalten und wir nehmen Restaurants auch schnell wieder von der Plattform. Nach sicherlich viel Mühe und Aufwand haben wir Indien nun zu einem guten Geschäft entwickelt.

Seid ihr zu schnell gewachsen?

Nein, ich glaube nicht, dass wir zu schnell gewachsen sind. Ich glaube, dass wir am Anfang die Vorstellung hatten, ein offener Marktplatz sein zu können und dann gerade 2015 viel Kraft aufwenden mussten, um das Ganze in einen kontrollierten Marktplatz umzuwandeln. Dass das funktioniert, sieht man an unseren verringerten Verlusten.

Foodpanda vermittelt nicht nur Lieferdienste auf seiner Plattform. Ihr unterhaltet auch eine eigene Logistikflotte, die das Essen von Restaurants ohne eigenen Lieferdienst ausfährt – wie bei Foodora oder Deliveroo. Wie groß ist der Anteil des Logistikgeschäfts an eurem Business?

Das ist in jedem Land unterschiedlich. In Singapur sind es zum Beispiel 80 Prozent, in Indien sind es etwa 35 Prozent. In manchen osteuropäischen Ländern ist dann der Anteil gering, bei unter zehn Prozent.

Sind das dann die Ländermärkte, die profitabel sind?

Naja, nicht unbedingt. Zum Beispiel in Thailand sind über 90 Prozent der Lieferungen mit eigener Logistik. Die Profitabilität ist vor allem davon abhängig, wie lange wir schon in einem Land aktiv sind und wie stark wir ins Wachstum investieren.

Der Logistikmarkt gilt doch als sehr teuer, wie schafft ihr das?

Die Komplexität ist natürlich hoch. Wir nehmen bei Lieferungen mit eigenen Fahrern eine höhere Gebühr von den Restaurants als bei reinen Vermittlungen von Bestellungen über den Marktplatz. Je mehr Fahrten es dann gibt, umso lohnender wird das Geschäft. Natürlich muss man am Anfang viel in den Aufbau der Logistik investieren, aber das Geschäft generiert eine deutlich höhere Kundenzufriedenheit. Der Kunde kommt also häufiger zurück als beim reinen Marktplatz-Modell. Ich kann zwar nicht sofort, aber nach einiger Zeit ein deutlich nachhaltigeres Geschäft damit aufbauen.

Würdest du heute generell etwas anders machen?

Hätte ich nochmal die Möglichkeit, an den Start zu gehen, dann würde ich am Anfang sicherlich noch einen stärkeren Fokus auf das Produkt und die Prozesse legen. Nuancen und Details spielen eine große Rolle, die darf man nicht vernachlässigen. Perfektionistisch ist Foodpanda sicherlich erst in den letzten zwei Jahren geworden.

Danke für das Gespräch, Ralf.

Bild Seite 1: Foodpanda; Seite 2: NamensnennungKeine Bearbeitung Bestimmte Rechte vorbehalten von jonrussell

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