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„Foodora et labora“ – Italienische Fahrer treten in den Streik

In Anlehnung an „Ora et labora“: Foodora-Fahrer protestieren

Foodora wollte in Italien neue Arbeitsverträge durchsetzen – das trieb die Fahrer auf die Straße. Mittlerweile hat das Essensliefer-Startup eingelenkt.

Der Konkurrent Deliveroo kennt das Problem bereits: Vor einigen Monaten traten Fahrer des Essenslieferdiensts in London in den Streik. Der Grund: Am Tag, an dem das britische Startup eine 275-Millionen-Finanzierung verkündet hatte, kürzte es seinen Fahrern das Gehalt. Deliveroo lenkte nach dem Protest damals ein.

Eine ähnliche Erfahrung macht die Delivery-Hero-Tochter Foodora seit einigen Wochen in Turin und Mailand. Dort sind die Fahrer mehrfach auf die Straße gegangen oder haben gestreikt, wie italienische Medien berichten. Anlass der Proteste sind neue Arbeitsverträge, die das Berliner Startup einführen wollte.

Den Berichten zufolge strich Foodora das feste Einkommen, das bei einem Stundenlohn von etwa fünf Euro lag. Stattdessen sollten die Fahrer 2,70 Euro pro Lieferung erhalten. Mit der Gewerkschaft SiCobas wollte das Berliner Unternehmen nicht verhandeln, schreibt der linke Blog Struggles in Italy. Etwa 50 Fahrer hätten sich an dem ersten Streik Anfang Oktober beteiligt, mehrere Proteste in Mailand und Turin folgten. Die Foodora-Fahrer fordern laut Bericht ein Gehalt von 7,50 Euro pro Stunde plus ein Euro pro Lieferung.

Das neue Gehalt sei höher, argumentiert Foodora

Foodora schränkt gegenüber Gründerszene ein, es handle sich bei den Protestierenden nur um eine „kleine Gruppe“ unter den 450 italienischen Fahrern. In den letzten Wochen hätten Foodora-Fahrer „Bedenken“ zu dem neuen Vertrag geäußert. Das Startup habe daher die neuen Verträge angepasst und zahle ab November einen Brutto-Lohn von vier Euro pro Lieferung, so ein Unternehmenssprecher.

Foodora rechnet vor: Durchschnittlich würden Fahrer zwei Lieferungen pro Stunde machen – der Netto-Lohn mit dem neuen System würde damit bei 7,20 Euro liegen, mit den alten Verträgen bei 5,60 Euro. Außerdem biete man den Fahrern nun eine Versicherung und einen Rabatt für Fahrradzubehör in einzelnen Läden. Zur angeblichen Weigerung, mit der italienischen Gewerkschaft zu verhandeln, gibt es von Foodora keinen Kommentar.

Einige Fahrer sind auch von dem neuen Angebot nicht überzeugt. Sie bezweifeln, dass sie jede Stunde zwei Essen liefern könnten. Die Fahrer verweisen darauf, dass ihre französischen Kollegen 7,20 Euro pro Stunde und zusätzlich zwei Euro pro Lieferung bekommen. Auch in Deutschland liegen die Löhne für Foodora-Fahrer höher, sie bekommen mindestens den Mindestlohn von 8,50 Euro. Laut einem Zeitungsbericht treffen sich italienische Fahrer am Mittwoch mit dem Management zu weiteren Gesprächen.

Etwa 1.000 Amazon-Mitarbeiter streiken in Deutschland

In Deutschland treibt ebenfalls ein Arbeitskampf die Digitalwirtschaft um: Mitarbeiter des Versandriesen Amazon sind für eine bessere Bezahlung in den Streik getreten. Etwa 1.000 Beschäftigte an fünf Standorten ließen in der gestrigen Frühschicht die Arbeit ruhen, wie Amazon mitteilte. Die Gewerkschaft Verdi kündigte weitere Streiks an.

Bild: Struggle in Italy

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