Verhandlungen zwischen Gewerkschaft und Foodora vorerst gescheitert

Die Fahrervertretung FAU wirft Foodora vor, nicht auf ihre Forderungen eingegangen zu sein. Das Unternehmen sagt, man sei weiterhin offen für Gespräche.

Befristete Arbeitsverträge, keine Kostenübernahme für Fahrräder, schlechte Kommunikation – die Liste der Vorwürfe, die Kuriere von Foodora an ihren Arbeitgeber haben, ist ebenso lang wie bekannt. Seit mehreren Monaten standen die Fahrervertretung FAU (Freie Arbeiterinnen- und Arbeiter-Union) und der Essenslieferdienst in Gesprächen, um bessere Bedingungen für die Kuriere zu verhandeln. Doch eine Einigung scheint nicht in Sicht zu sein. Die Gewerkschaft teilte nun mit, die Verhandlungen seien gescheitert.

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Die FAU Berlin macht Foodora für das Ende der Gespräche verantwortlich. „Wenn Foodora sich an keine unserer Absprachen hält, dann müssen wir davon ausgehen, dass es ihnen mit den Verhandlungen nicht ernst ist“, sagte Leonhard Herrmann, Fahrer bei Foodora und Mitglied im Verhandlungsteam. Er warf dem Unternehmen unprofessionelles Verhalten vor. Foodora hingegen sagte auf Anfrage von Gründerszene, man sehe die Gespräche nicht als gescheitert an. „Wir sind weiterhin offen für den Austausch“, so das Unternehmen.

Wer zahlt die Reparaturen an den Fahrrädern?

Mit drei Hauptforderungen war die FAU Berlin in die Gespräche gegangen: Erstens wollte die Fahrervertretung erreichen, dass Foodora die Kosten für Fahrräder und Smartphones übernimmt. Zweitens sollte das Gehalt der Kuriere um mindestens einen Euro pro Stunde angehoben werden. Und drittens forderte die FAU, dass das Schichtplanungssystem verbessert wird. Nach Angaben der Gewerkschaft ist Foodora nur auf eine Forderung eingegangen, allerdings eine andere. Demnach wolle das Unternehmen sich künftig an den Reparaturkosten der Fahrräder beteiligen. Ab 2018 solle den Angaben zufolge jeder Fahrer bei ausgewählten Fahrradläden ein monatliches Guthaben erhalten, das zur Reparatur verwendet werden könne. Am Ende des Monats soll das Guthaben allerdings verfallen.

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Die FAU ist allerdings auch mit diesem Vorschlag unzufrieden. „Die Höhe des Guthabens beläuf sich auf unter 5 Cent pro km und liegt damit nicht nur weit unter den geforderten 35 Cent, sondern auch unter den von Konkurrent Deliveroo gezahlten 10 Cent“, heißt es von der Gewerkschaft. Zudem kritisiert sie, dass das Geld nicht von einem Monat auf den anderen übertragbar sein soll.

FAU kündigt weiteren Protest an

Gegenüber Gründerszene kündigte Foodora dennoch an, diese Neuerung bald umzusetzen: „Wir starten in Kürze mit der Einführung der von uns angekündigten Sachmittelzuwendung an unsere Fahrer, sodass etwaiger Verschleiß am Fahrrad, der auf den Arbeitsablauf zurückzuführen ist, ersetzt werden kann.“ Darüber hinaus werde weiter an der Umsetzung und Einführung weiterer Optimierungen für die Fahrer gearbeitet, „die in naher Zukunft umgesetzt werden“, so das Unternehmen.

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Schätzungen zufolge sind für Foodora in Deutschland rund 2000 Fahrradkuriere unterwegs. Von den großen Gewerkschaften wurden sie bisher weitgehend allein gelassen. So kam es in diesem Jahr zur eher zufälligen Gründung der FAU-Gruppe „Deliverunion“, die die Interessen von Fahrradkurieren vertritt und aus einer Whatsapp-Gruppe entstand. Die FAU existiert seit 1977 und versteht sich laut eigener Internetseite als „eine anarcho-syndikalistische Gewerkschaftsföderation“. Im Jahr 2013 wurde die FAU im Verfassungsschutzbericht Niedersachsen als Beispiel für Linksextremismus aufgeführt.

Nach dem vorläufigen Ende der Gespräche droht die FAU nun mit weiterem Protest. „Wir haben uns während der Verhandlungen mit Protesten und gewerkschaflichen Maßnahmen zurückgehalten – daran fühlen wir uns jetzt nicht mehr gebunden“, kündigte Herrmann an und rief die Fahrer zu einer Kundgebung am 10. November in Berlin auf. Bereits im Mai hatten sich knapp 100 Fahrer zum Protest in Berlin versammelt. Drei Monate später luden Demonstranten vor dem Sitz des Foodora-Konkurrenten Deliveroo in Berlin-Kreuzberg kaputte Reifen, alte Fahrradgestelle und rostige Ketten ab. 

Bild: AFP

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