Flaschenpost in Köln – Wie gut funktioniert das Liefer-Startup?

Das Liefer-Startup Flaschenpost verspricht, Getränke innerhalb von anderthalb bis zwei Stunden zu liefern. Wir haben das Angebot in Köln getestet.

Vergangene Woche war es so weit: das Liefer-Startup Flaschenpost startete mit einer Flotte in Köln seine Expansion. Bisher war das junge Unternehmen nur in seinem Heimatort Münster aktiv, wo es viel Anklang fand. 

Auch auf Investorenseite bekommt das Unternehmen um Gründer Dieter Büchl Aufmerksamkeit. Bisher investiert sind bekannte Geldgeber wie Cherry Ventures oder die Business Angels Philipp Kreibohm von Home24, David Khalil und Lukas Brosseder von Edarling und Robert Maier von Ladenzeile und die beiden SumUp-Gründer Jan Deepen und Stefan Jeschonnek. Es wird also Zeit, dass wir das Hype-Startup mal testen.

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Was ist dran am Hype?

Sonst kaufe ich keine Getränkekisten. Da ich kein Auto besitze und verschiedene Supermärkte in der Nähe meiner Wohnung liegen, gehe ich meist zu Fuß einkaufen – und den Einkauf in den dritten Stock zu schleppen ist auch ohne Flaschen nervig genug. Bei unserem Test ist es halb fünf nachmittags an einem Samstag, abends kommt Besuch. Gute Voraussetzungen, um das Alleinstellungsmerkmal des Startups auf die Probe zu stellen: die Lieferung innerhalb von zwei Stunden nach Eingang der Bestellung.

Die Webseite von Flaschenpost ist übersichtlich. Bevor ich überhaupt nach Getränken suchen kann, muss ich meine Postleitzahl eingeben. Danach kann ich aus Kategorien wie Wasser, Bier oder Limonade Waren aussuchen. Die Artikel sind alphabetisch angeordnet, das „Top-Angebot“ oder „Unsere Empfehlung“ werden ganz oben angezeigt.

Ist Flaschenpost wirklich günstig?

Die meisten Biere werden in Kästen à 20 oder 24 Flaschen geliefert, bei Wasser sind es mindestens zwölf Flaschen pro Kasten. Flaschenpost wirbt mit „günstigen Preisen wie im Supermarkt“. Beim Vergleich mit dem Onlineshop des Supermarktes Rewe wird deutlich, dass das mal stimmt – und mal nicht. Ein 24er-Kasten Beck's kostet bei Rewe 15,79 Euro ohne Pfand, beim Startup 16,90 Euro. Dafür kann bei Rewe noch eine Liefergebühr anfallen, die es bei Flaschenpost nicht gibt. Beim Mineralwasser Gerolsteiner ist der Flaschenpost-Preis neun Cent günstiger.

Meine Lieferung

Die Auswahl der angebotenen Getränke ist groß. Besonders beim Bier fallen mir Sorten wie Rolinck oder Pinkus auf, die ich bei meinem Kölner Supermarkt um die Ecke nicht finden kann. Ich packe einen 12er-Kasten des Wassers Emsland Quelle und einen 20er-Kasten Pinkus, das Bier einer lokalen Brauerei in Münster, in den Warenkorb. 

Zu Beginn heißt es, der Mindestbestellwert sei von Region zu Region unterschiedlich hoch, betrage jedoch mindestens zehn Euro. Nachdem ich das Wasser für 5,10 Euro (ohne Pfand) in den Warenkorb gepackt habe, heißt es, ich benötige noch Waren für mindestens 9,90 Euro. Bezahlen kann man mit Lastschrift oder Paypal. Ich schicke die Bestellung ab und warte.  

Wo ist mein Kundenkonto?

Auf der Startseite heißt es, es sei keine Registrierung nötig, um bei Flaschenpost zu bestellen. Nach meinem Einkauf werde ich automatisch angemeldet und bekomme per E-Mail ein Passwort zugewiesen. Die gerade bestellten Getränke sind unter der Rubrik „mein Konto“ gespeichert, nach meinen Daten muss ich erstmal suchen – bis ich sie mit einem Klick auf „Ihr Warenkorb“ finde. Aber um die Adresse oder Zahlungsart bearbeiten zu können, muss offenbar erst etwas in dem Warenkorb liegen – denn sonst verschwindet dieser. Eine Option das von Flaschenpost zugewiesene Passwort zu ändern, einen Logout-Button oder FAQs finde ich nicht.

Eine Stunde später

Jeder Schritt wird von Flaschenpost per E-Mail begleitet. So erfahre ich, dass mein Lieferant Andreas kurze Zeit später auf dem Weg ist. Eine Stunde nach meiner Onlinebestellung klingelt es tatsächlich an der Haustür und Andreas schleppt sich die Treppen in den dritten Stock hoch. Leid tut er mir schon, als er keuchend oben ankommt. Er fragt, ob ich Pfand habe, das er mitnehmen kann. Das würde dann von der Rechnung abgezogen. Kaum ist er weg, kommt die Rechnung per E-Mail. Das war's. 

Die Lieferung geht schnell, das Angebot ist gut und die Preise finde ich für den Service in Ordnung. Eigentlich lief alles reibungslos. Einzig die Intransparenz rund um mein Kundenkonto irritiert mich und hinterlässt – jedenfalls bei mir – einen unangenehmen Nachgeschmack.

Artikelbild: Flaschenpost; Bild im Text: Gründerszene/Kim Richters; Hinweis: Der Artikel wurde aktualisiert und der Zusatz „teilweise höher“ aus dem letzten Absatz entfernt.

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