Fitness-Food für Styler – von der Nische zum Lifestyle-Produkt

Proteinpulver für Bodybuilder war gestern. Hej Nutrition und Foodspring wollen Sportlernahrung zum Lifestyle-Produkt machen und haben damit einen Trend ausgelöst.

Sportlernahrung sah vor einigen Jahren noch so aus: Fünf-Kilo-Plastikkanister voll mit löslichem Proteinpulver und kryptischen Inhaltsstoffen, welches mit Milch und Quark zu einem Drink verrührt wird. Eine Nische, die muskelbepackte Bodybuilder anspricht, fitnessbegeisterte Menschen, die sich aus anderen Gründen gesund und proteinreich ernähren wollen, allerdings abschreckt. Die Startups Hej Nutrition und Foodspring haben daher Eiweißbomben in Form von Riegeln entwickelt und setzen auf Verpackungsdesign, das nicht nur für den gestählten Bodybuilder attraktiv ist. Dass der Trend rund um das Thema Fitnessnahrung immer weiter zunimmt, beweist das Wachstum der beiden jungen Unternehmen. Die Gründer wollen die Zielgruppen von Sportlernahrung vergrößern und von der Nische zum Lifestyle-Produkt avancieren. „Die Leute haben noch einen inneren Widerstand gegen gesunde ­Ernährung“, so der Mitgründer von Hej Nutrition, Julius Wolf.

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Bootstrapping oder Venture Capital?

Hej Nutrition und Foodspring sind beide im selben Jahr an den Start gegangen. Während Hej Nutrition anfangs auf externe Geldgeber verzichtet hat und die ersten vier Jahre nur durch den Cashflow gewachsen ist, hat Foodspring von Beginn an auf fremdes Kapital gesetzt. „Wir sind mit einem Gründungsdarlehen von 25.000 Euro gestartet. Das Geld hat aber nicht lange gereicht“, so Hej-Mitgründer Wolf. Schon 2015 hätten er und Mitgründer Jannik Stuhlmann erste Gespräche mit Geldgebern geführt, eine Finanzierung allerdings ausgeschlossen. „Wir wollten hundert Prozent an unserer Firma behalten und das Risiko gemeinsam stemmen“, so Wolf. Im Mai 2017 hat Hej Nutrition erstmalig Eigenkapital eingesammelt. Die Business Angels Jörn Kreke, Sprössling aus dem Duftimperium Douglas, und der Immobilienmanager Albert Büll haben zusammen 1,6 Millionen Euro in das Hamburger Startup gesteckt. „Wir wollen keinen großen VC, der uns hochkatapultiert“, sagt Hej-Mitgründer Wolf.

DAS GRÜNDERSZENE-RANKING

Gründerszene kürt in diesem Jahr erneut die am schnellsten wachsenden Digitalunternehmen Deutschlands. Es werden die 50 Firmen mit dem höchsten Umsatzwachstum (CAGR) ausgezeichnet. Grundlage ist der Umsatz der Jahre 2014 bis 2016. Das gesamte Ranking-Magazin könnt Ihr hier herunterladen.

Die Kapitalspritzen für das Berliner Unternehmen Foodspring belaufen sich insgesamt auf mehrere Millionen Euro. Allein Anfang des Jahres haben die Gründer Philipp Schrempp und Tobias Schüle sechs Millionen Euro in einer einzigen Finanzierungsrunde bekommen, darunter vom Venture-Capital-Investor btov, der Deutschen Handelsbank und ihrem Altgesellschafter Econa, der das Food-Startup bereits von Beginn an mitfinanziert. Wie viel Geld Foodspring insgesamt erhalten hat, möchte Mitgründer Philipp Schrempp allerdings nicht sagen. Foodspring hatte von Anfang an mehr Kapital zur Verfügung, während Hej Nutrition vor allem organisch ­gewachsen ist. Das Berliner Startup Hej hat in diesem Jahr rund fünf Millionen Euro umgesetzt.

Foodspring

Platz: 17

Wachstumsrate: 290%

Gründungsjahr: 2013

Kategorie: E-Commerce

Website: www.foodspring.de

Damit sei es nach eigenen Angaben um knapp einhundert Prozent im Vergleich zum Vorjahr gewachsen. Foodspring hat 2017 einen höheren achtstelligen Betrag umgesetzt, wie Mitgründer Schrempp bestätigt. Im vergangenen Jahr habe das Unternehmen einen niedrigen achtstelligen Betrag umgesetzt.
Bereits nach nur einer Produktbestellung seien Kunden von Hej Nutrition rentabel für das Startup. Der Hersteller für Fitnessfood verkauft seine Produkte in Deutschland und drei weiteren europäischen Staaten. Das Berliner Unternehmen Foodspring ist in zwölf Ländern tätig, wobei Frankreich der zweitstärkste Markt sei. „Wir haben Länder, da sind wir beim ersten Kauf profitabel, aber das ist eher die Ausnahme“, sagt Schrempp. In Deutschland beispielsweise sei das Startup „darauf angewiesen, dass der Kunde die Produkte und die Experience, die er beim Kauf hat, gut findet und wiederkommt.“ Foodspring gebe zwar „einen Großteil“ für Marketing aus, die Markenbildung lebe aber von Mundpropaganda. Hej Nutrition sieht seine Stärke im Social-Media-Marketing. Im Frühjahr konnten sie die Fitnessbloggerin Pamela Reif als Testimonial gewinnen, was ihnen eine große Reichweite und Bekanntheit eingebracht habe.

Der Einzelhandel macht sich bereit

Beide Food-Startups verkaufen ihre Produkte größtenteils über den Online-Handel. „Grundsätzlich sehen wir uns als online-first company. Das ist das, wo wir zu Hause sind und was wir verstehen“, äußert sich Foodspring-CEO Philipp Schrempp. Das Unternehmen führe jedoch gerade eine Pilotprojekt-Phase durch und teste seine Produkte im Einzelhandel. Das Standbein solle dennoch weiterhin das Online-Geschäft bleiben, sagt der Gründer. Auch Hej Nutrition strebt eine Listung im Einzelhandel an, möchte seinen Offline-Bereich aber gezielt ausbauen. „Jetzt liegen wir in mehr als 200 Handelsfilialen aus“, betont Wolf. Erst kürzlich hat das Startup eine Kooperation mit der norddeutschen Drogeriekette Budnikowksy abgeschlossen. In den vergangenen Monaten konnte Hej bereits rund 15 Prozent seines Umsatzes im Offline-Handel erreichen.

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Hej Nutrition

Platz: 23

Wachstumsrate: 229%

Gründungsjahr: 2013

Kategorie: E-Commerce

Website: www.hej-nutrition.de

Die Gründer von Hej Nutrition und Foodspring sehen sich zwar als Konkurrenten, sprechen aber über bestimmte Themen ähnlich. Beide Startups geben an, dass sie an einem Punkt angelangt sind, an dem sie ihre Unternehmen innerhalb kurzer Zeit in die Profitabilität führen können. Hej kann bisher einige Monate vorweisen, in denen sie schwarze Zahlen schreiben, entscheidet sich aber bewusst dagegen, um weiter wachsen zu können. „Wir möchten mit allem etwas mutiger werden“, gibt Hej-Gründer Wolf zu. „Auch mit Blick auf die Werbeausgaben.“ Diese Einstellung vertritt auch Schrempp: „Wir haben das Ziel, dass wir in weiteren Ländern stärker werden und mehr Menschen erreichen. Und auf dem Weg dorthin sind wir gerne bereit, auf kurzfristige Profitabilität zu verzichten, um eine interessante Langzeitperspektive zu bekommen.“ Foodspring könne 2018 darauf zusteuern, schwarze Zahlen zu schreiben. „Wenn wir uns nicht noch für eine steilere Wachstumskurve entscheiden“, so der Mitgründer.

Bild: Chris Marxen | Headshots-Berlin.de

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