Ein Ex-Rocket startet mit seinem Lieferdienst in Asien durch

Jonathan Weins erkannte als Länderchef die Fehler von Foodpanda und baute einen eigenen Lieferdienst auf. In Malaysia ist sein Startup ein großer Erfolg. Wieso?

Jonathan Weins ging bei Rocket Internet durch eine lehrreiche Zeit. Für den Lieferdienstvermittler Foodpanda, der vor einigen Monaten an den börsennotierten Konkurrenten Delivery Hero verkauft wurde, startete er 2014 das Geschäft in Hongkong. Eine vielversprechende Region. Doch Weins merkte schnell, dass ein Marktplatz wie Foodpanda nicht das geeignete Geschäftsmodell für eine asiatische Großstadt ist: Durch die vielen verschiedenen Restaurants, bei denen Kunden Essen bestellen konnten, sei die Auslieferung kompliziert und nicht schnell genug gewesen.

Für sein erstes eigenes Unternehmen zog Weins deswegen im November 2014 nach Malaysia, in die Hauptstadt Kuala Lumpur. Seine Idee: Ein Lieferdienst namens Dahmakan, der den Kunden frisches und gesundes Essen bringt. Anders als bei Foodpanda entschied der 28-Jährige, alle Gerichte von fest angestellten Köchen in einer eigenen Küche kochen zu lassen. Auf dem Menü? Nur wenige Gerichte, die sich dafür gut ausliefern lassen und beim Transport nicht matschig werden. Ein ähnliches Konzept testete Rocket Internet mit Eatfirst 2015. Das Startup scheiterte allerdings in Berlin.

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Doch Weins Startup ist bisher nicht untergegangen. Das Gegenteil scheint der Fall zu sein: Mehrere zehntausende Mahlzeiten für jeweils umgerechnet vier bis fünf Euro liefere Dahmakan mittlerweile pro Monat aus, sagt der Gründer. Jeden Tag seien es mehr als 1.500 Bestellungen. Sein Startup habe so im vergangenen Jahr einen Millionenbetrag umgesetzt, profitabel arbeite man aber noch nicht.

Anfang des Jahres sammelte Weins dann 1,3 Millionen US-Dollar von bekannten Investoren ein. Zu seinen Geldgebern zählen Kaufda-Gründer Tim Marbach über seine Asia Venture Group, Swoodoo-Gründer Wolfgang Heigl über NFQ Capital sowie ein ehemaliger Vorstandsvorsitzender von Nestlé, dessen Namen Weins allerdings nicht nennen möchte.

Wie hat Jonathan Weins aber im harten Food-Business den Durchbruch geschafft? Wenn man dem gebürtigen Aachener glaubt, hat er einfach den Markt genau analysiert und die beste Lösung gefunden. Im Interview mit Gründerszene nennt er fünf Erfolgsfaktoren.

  1. Kuala Lumpur ist laut Weins ein idealer Standort für seinen Lieferdienst. Hier arbeiteten die meisten Menschen eng beieinander im zentralen Finanzviertel. Häufig befänden sich dutzende Firmen mit tausenden Mitarbeitern in nur einem Hochhaus. Das mache die Lieferung einfach, weil der Fahrer für mehrere Bestellungen in nur ein Gebäude muss. Besonders bei dem dichten Verkehr in der Innenstadt Kuala Lumpurs sei das ein großer Vorteil, so der Gründer.
  2. Wichtige Konkurrenten von Dahmakan sind die Restaurants auf den Straßen von Kuala Lumpur nahe der Bürotürme, wo viele Menschen ihr Essen bestellen und mitnehmen. Allerdings seien diese häufig überfüllt und der Weg durch die Hitze beschwerlich, sagt Weins. Sein Lieferdienst biete da eine Alternative.
  3. Viele Mitarbeiter kochen sich am Vorabend etwas zuhause. Deswegen sei es wichtig, dass die Gerichte wie selbstgemacht schmeckten. Der Gründer ist überzeugt, dass dies bei Dahmakan der Fall sei.
  4. Die Menschen in Kuala Lumpur mögen Routine. Dahmakan hat deswegen ein Prime-Programm eingeführt. Wer beispielsweise zehn Gerichte vorab bezahlt, spart 23 Prozent, bei 20 Gerichten sind es 27 Prozent. Die meisten der 60.000 Kunden würden mehr als ein Mal die Woche Essen bei dem Lieferdienst bestellen und den Prime-Service nutzen, gibt Weins an. Bei anderen Lieferdiensten würden Kunden weniger häufig einkaufen.
  5. Wer Prime-Kunde ist, bekommt sein Essen innerhalb eines gewünschten 30-Minuten-Fensters und kann seine Mittagspause so besser planen.

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45 Mitarbeiter arbeiten derzeit für Dahmakan – inklusive mehrerer Köche, die es gewöhnt sind, große Mengen zu kochen. „Wir produzieren wie in einer Fabrik“, sagt Weins, der mit seinem Lieferdienst bald nach Singapur, Bangkok oder Manila expandieren möchte. Vorher will er jedoch weitere Millionen von Investoren einsammeln. Auch deswegen nimmt sein Startup derzeit am berühmten Programm des US-Accelerators Y Combinator im Silicon Valley teil – als erstes Startup aus Malaysia.

Bild: Dahmakan

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