Diese Software kennt die CO₂-Bilanz deines Mittagessens

Eaternity will, dass Restaurants klimafreundlicher kochen. Gründer Manuel Klarmann erklärt, warum für Umwelt-Unternehmen nicht nur der Start schwer ist.

Manuel Klarmann weiß: Mit seinem Startup Eaternity Geld zu verdienen, wird schwer. Das sei aber auch gar nicht sein primäres Ziel – denn Klarmann ist nicht nur Gründer, sondern auch Umweltschützer. Bereits seit acht Jahren arbeiten er und die Co-Founder Judith Ellens und Aurelian Jaggi an einer Software, mit der Restaurants sehen können, wie hoch die CO₂- Bilanz der Gerichte auf ihrer Speisekarte ist. Langfristig solle Eaternity helfen, den weltweiten Treibhausgas-Ausstoß zu reduzieren, sagt Klarmann.

Gelauncht wurde Eaternity 2014 in Zürich. Die Funktionsweise ist einfach: Gastronomen geben die Zutaten ihrer Speisen ein, die Software berechnet anschließend, wie viel CO₂ bei deren Produktion und Beschaffung ausgestoßen wurde. Klarmann erklärt, sein Ziel sei es, dass Köche Gerichte aus den umweltfreundlichsten Zutaten kreieren.

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Der Gründer möchte, dass auf jeder Speisekarte mindestens ein klimafreundliches Essen steht. Die Richtlinien dafür hat Eaternity selbst definiert: Das Unternehmen errechnet die durchschnittliche CO₂-Bilanz aller 76.000 Gerichte, die Gastronomen bisher in das System eingegeben haben – dieser Mittelwert liegt derzeit bei 1.583g CO₂ pro Portion. Soll ein Gericht als klimafreundlich gelten, darf seine Kohlenstoffdioxid-Bilanz nur maximal halb so hoch sein, so Klarmann. 

Fleischhaltige Gerichte seien bezüglich des Treibhausgas-Ausstoßes die schlimmsten, sagt der Gründer – das liege am Sojaanbau für das Tierfutter und am Methan, das das Vieh ausstoße. Ein Trugschluss sei, dass regionale Produkte immer eine gute CO₂-Bilanz hätten: „Besonders schlimm sind Gewächshäuser, die hierzulande oft beheizt werden. Lieber Tomaten aus Ländern kaufen, in denen es ohnehin warm ist“, erklärt Klarmann. Der CO₂-Ausstoß sei trotz des Transportes niedriger als bei regionalen Tomaten.

Viel Aufwand – geringe Erträge

Dass Eaternity seit 2008 entwickelt wird, lässt erahnen: Hinter der Software steckt viel wissenschaftliche Arbeit. Die Daten zum CO₂-Ausstoß würden Universitäten und Forschungsinstitute aus der ganzen Welt ermitteln, in Deutschland kooperiere Eaternity etwa mit dem Öko-Institut. Sein Startup kombiniere alle Daten miteinander und speichere sie in einer Cloud, so Klarmann. So würden sie den Software-Nutzern zugänglich gemacht.  

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Dem Gründer zufolge nutzen derzeit etwa 140 Restaurants im deutschsprachigen Raum die Klimaschutz-Software. 1200 Euro zahlen sie pro Jahr für deren Nutzung. Finanzieren könne sich das Startup dadurch nur zu etwa 30 bis 40 Prozent, gibt Klarmann zu. Derzeit seien die Gründer auf Förderprogramme und Stiftungen angewiesen, die Eaternity mit Forschungsprojekten beauftragen sollen – aktuell eine wichtige Einnahmequelle für das Startup. Ob die Besucherzahlen der Restaurants, die dank Eaternity klimafreundlicher kochen, steigen, wisse Klarmann nicht. 

„CO₂ hat keinen Marktwert“

Privatpersonen können gratis auf den Datenpool der Software zugreifen: Auf der Website kann man zum Beispiel die Zutaten seines Mittagessens eingeben und dessen CO₂-Bilanz direkt einsehen. Nudeln mit Tomaten-Gemüse-Soße sind laut Eaternity-Berechnung ein klimatechnisch akzeptables Mittagessen, eine Portion sorgt für 405g Kohlenstoffdioxid in unserer Luft.  4000 Personen hätten die Anwendung bereits benutzt, Klarmann gibt aber zu, dass sie „noch nicht nutzerfreundlich“ ist. Eine Optimierung des Tools dürfte auch in Zukunft nicht zu erwarten sein: Der Gründer sagt, er sehe „keine Chance für die Vermarktung“. 

Das Problem an Umwelt-Produkten: Der Anreiz zum Nutzen fehlt, sagt Klarmann fast schon resigniert. Er erklärt das so: Die Menschen wüssten zwar, dass Fleisch schlecht für das Klima sei, darauf zu verzichten, habe aber keinen direkten positiven Einfluss auf sie. Dasselbe gilt für die Restaurants: Die Kunden interessiert eher der Geschmack als die Klimabilanz ihres Schnitzels. „CO₂ hat keinen Marktwert“, fasst Klarmann zusammen. 

Ein Hoffnungsschimmer, dass seine Software trotzdem noch ein Erfolg werden könnte: 2018 richtet Eaternity einen „Award für Restaurants“ aus. Dabei werden die klimafreundlichsten Gastronomiebetriebe gekürt. „Wir konnten Restaurants bekannter Sterneköche für die Teilnahme begeistern“, so Klarmann, der hofft, dass die Reichweite der Köche Eaternity in der Gastro-Szene bekannter macht. 

Bild: Eaternity

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