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Diese Startups setzen auf kalten Kaffee

coffee mug

Wer schwarzen kalten Kaffee trinkt, wurde früher eher skeptisch beäugt. Doch Cold Brew ist salonfähig geworden. Auch Startups haben das erkannt.

 

Tropfen für Tropfen fällt langsam in das große Glasgefäß. Schwere schwarze Tropfen voller Koffein. Klingt nach einer Kaffeemaschine. Nur etwas fehlt ihr. Es riecht einfach nicht nach frischem, heißem Kaffee. Kann es aber auch gar nicht. Das Glas ist eiskalt. Schließlich produziert der Cold Brew Dripper nur kalten Kaffee. Mehr kann die aus zwei Plastik- und einem Glasteil bestehende Kaffeemaschine, die knapp 50 Euro kostet, auch nicht.

Muss sie aber auch nicht. In diesem Sommer gewinnt der Trend, kalten Kaffee zu „brühen“, in Deutschland noch einmal an Fahrt. Cold Brew gibt es nicht mehr nur in szenigen Hipster-Café-Bars, sondern auch deutschlandweit bei Starbucks. Und auch die Drogeriekette dm stellt sich den kalten Kaffee, der weniger Säure- und Bitterstoffe enthalten soll, nun bundesweit in die Regale.

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Davon profitiert vor allem ein kleines Startup aus Aschaffenburg. Die Gründer von Karacho haben keine Armee von tropfenden Kaffeemaschinen aufgestellt, sondern brauen den kalten Kaffee in großen Kesseln. Und das bis zu 14 Stunden lang. Genauere Details verrät man lieber nicht.

Das Ergebnis steht, verfeinert mit Kuh- oder Kokosmilch, jetzt in mehr als 1200 Drogerie-Regalen – 235 Milliliter für 1,95 Euro. Nicht gerade ein Schnäppchen. Doch günstiger als die Konkurrenz aus Österreich. Dort steht in mehr als 110 Supermärkten Kaffeetschi – Tendenz steigend. Die Glasflasche mit 200 Millilitern für 2,99 Euro. Und das ohne Milch, sondern nur mit Wasser und Kaffee.

Das simple Rezept verkauft sich im Nachbarland immer besser, verrät Gründer Amar Cavic. Sein Produkt bedient eine lukrative Nische in einem weiter wachsenden Markt – den für kalte Kaffeemix-Getränke im Supermarkt-Kühlregal. Seit 2011 ist der Bereich laut Zahlen des Marktforschungsunternehmens Nielsen von 128 Millionen auf einen Umsatz von mittlerweile 182 Millionen Euro gewachsen, ein Plus von 42 Prozent.

DWO-WI-Eiskaffee-pd-jpg„Wir schmecken einfach besser“

Wer Lust auf konventionellen kalten Kaffee hat, der vorher heiß aufgebrüht wurde, kann zwar schon für 69 Cent glücklich werden. Doch Premiumanbieter wie Emmi oder Mövenpick verlangen für ihre gekühlten Kaffeemix-Getränke schon mehr als 1,50 Euro. Starbucks im Kühlregal sogar 1,79 Euro. Das ist nicht mehr weit entfernt vom Preisniveau von Karacho und Kaffeetschi. Doch was bieten die jungen Start-ups den Kaffeejunkies, was Handelsmarken, Emmi, Mövenpick oder Starbucks nicht haben?

„Wir schmecken definitiv anders“, sagt Karacho-Gründer Merlin Stellwag, der zuvor mit seinem Geschäftspartner Jonas Braun die Kaffeeversorgung von Unternehmen übernommen hatte. „Wir kannten damals schon Cold Brew und wussten, dass er deutlich besser schmeckt, als wenn man heißen Kaffee kalt werden lässt.“

Obendrein hatten Stellwag und Braun erkannt, dass in den Regalen kein Produkt ohne erheblichen Zuckerzusatz auskommt. Statt Zucker und Sahne kommt in Karacho nur Agavendicksaft, um dem Kaffee Süße zu geben. So hat Karacho nur 30 Kilokalorien statt durchschnittlich 60 bis 80 wie bei der Konkurrenz. Kaffeetschi kommt sogar nur auf fünf Kilokalorien pro 100 Milliliter.

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Ganz ohne Zusatzstoffe wie den Säureregulator Trinatriumcitrat kommt allerdings auch Karacho nicht aus, sonst würde die Milch in dem Produkt schnell umkippen. Sowieso hat man den Abfüllprozess in neuartige Recycling-Papp-Dosen ausgelagert und konzentriert sich lieber auf die reine Herstellung. „Das ist nicht so trivial, wie man bei dem Wort kalter Kaffee vermuten könnte“, erklärt Stellwag.

Entscheidend seien die Kaffeesorten, deren Mahlgrad sowie die Dauer des Brühvorgangs – bis zu 14 Stunden. „Für die Getränkeindustrie ist so ein langer Prozess ja totaler Wahnsinn“, sagt Stellwag. Zu kleine Mengen sind aber auch für Kaffeetschi und Karacho keine Option. „In der Regel produzieren wir derzeit mit einer Charge ungefähr 15.000 Liter“, erklärt Gründer Cavic, der den Preis für seinen Cold Brew durch größere Produktionsmengen auch noch weiter reduzieren will. Von 2,99 soll es auf 2,50 Euro runtergehen. Doch dann sei auch Schluss.

Cold-Brew-Maker für 249 Euro

„Kaffeetschi bietet ein Stück Wohlbefinden für zwischendurch, etwas, was man sich leisten will“, ist Cavic überzeugt. Mit der edlen Glasverpackung sieht sein Produkt aus wie ein Flacon aus der Parfümerie, nur eben mit Kaffee drin. Beide Gründer sind überzeugt, dass ihr im Supermarkt erhältlicher Cold Brew mit dem Geschmackserlebnis in richtigen guten Cafés mithalten kann.

„Mit unseren trinkfertigen Produkten können wir den natürlichen Kaffeegeschmack flächendeckend anbieten“, so Cavic. Espresso könne ab und zu auch mal misslingen. Dann werde die Schuld auf die Bohne geschoben. Und das will man bei Kaffeetschi verhindern, weil die Qualität immer gleich bleibe.

Gegen schlechte Geschmackserlebnisse arbeitet auch Coffee Circle. Das Berliner Start-up, das sich im vergangenen Jahr sogar eine eigene Rösterei in den Keller gebaut hat, produziert in Eigenregie mehr als zehn verschiedene Sorten Kaffee. Auch mit eigenem trinkfertigem Cold Brew hat man bereits experimentiert.

„Wir haben aber höhere Ansprüche an das Produkt und konzentrieren uns lieber zurzeit auf unser Hauptgeschäft, die Herstellung und den Onlineverkauf von Kaffee“, erklärt Sprecherin Anna Brüderl. Also verkauft Coffee Circle fünf verschiedene Cold-Brew-Zubereiter für die Kundschaft. Manche für bis zu 249 Euro. Die Kaffee-Szene macht aus der Zubereitung eine Wissenschaft und ein gutes Geschäft für die Hersteller der Cold-Brew-Maker.

Das ist alles erst der Anfang

Zum Testen bietet das Berliner Startup schließlich die passenden Sorten an. „Wir wollen weiter aufklären, was das Besondere an der Zubereitungsart ist, und damit auch zeigen, wie unterschiedlich Kaffee schmecken kann“, so Brüderl. Das Interesse an Cold Brew sei in Deutschland zuletzt noch einmal massiv angestiegen. Im Vergleich zum US-Markt, der in der Entwicklung deutlich weiter sei, gebe es noch einiges an Potenzial. „Cold Brew wird nicht mehr aus der Mode kommen, weil er so einfach zubereitet werden kann“, prophezeit Brüderl.

Auf eine weiter starke Nachfrage stellen sich deswegen auch Karacho und Kaffeetschi ein. Selbst im Winter habe es nur geringe Nachfrageeinbußen gegeben. „Neben unseren aktuellen zwei Sorten haben wir natürlich auch noch Ideen für weitere Sorten“, sagt Merlin Stellwag. Doch vorerst wolle man sich auf Kokos- und Kuhmilch als Geschmacksrichtungen fokussieren, weil sonst auch der Aufwand zu stark steige. Sowieso habe man nicht damit gerechnet, dass sich die Sorte Kokos deutlich besser verkaufe.

„Wir wollen demnächst auch eine Art Flag-Ship-Café in Aschaffenburg eröffnen, um weiter zu experimentieren und zu zeigen, was alles mit Kaffee möglich ist“, erklärt der Karacho-Gründer. Noch weiter ist die Konkurrenz aus Österreich. „Wir haben bereits eine ganze Palette von Produkten in der Schublade“, sagt Amar Cavic. Doch noch wolle man den Verbrauchern zeigen, wie gut eigentlich der pure unverfälschte Cold Brew schmeckt. Das sei alles erst der Anfang.

Dieser Artikel erschien zuerst bei Welt.de.

Bild: Getty Images / MakiEni’s photo / Grafik: Infografik die Welt

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