„Es bringt nichts, weiterhin in Deutschland zu investieren“

Foodguide soll das Tinder für Foodies sein. Auf der Suche nach Restaurants wischen sich Nutzer durch Fotos von Essen. Bei DHDL überzeugte das Carsten Maschmeyer.

Über die App Foodguide sollen hungrige Leute nach Restaurants in ihrer Nähe suchen können. Die Nutzer wischen sich dabei wie bei der Dating-App Tinder durch Fotos von Gerichten. Bei DHDL bekamen die Hamburger Gründer dafür 450.000 Euro von Carsten Maschmeyer. Dafür gaben die Gründer Malte Steiert und Finn Fahrenkrug 31,6 Prozent ihres Unternehmens ab. Die Hamburger gründeten das Start-Up Foodguide 2015 und beschäftigen mittlerweile 20 Mitarbeiter. Nach Unternehmensangaben nutzen eine halbe Million User Foodguide derzeit, davon knapp 3.000 Menschen täglich. Im Rahmen des Plug&Play-Accelerator-Programms erhielten sie im vergangenen Jahr ein Investment von 25.000 Euro vom Axel-Springer-Verlag. Für das Jahr 2017 rechnet das Start-Up mit einem Umsatz von etwa 250.000 Euro.

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Malte, wenn ich in einem Restaurant bin und ein Foto von meinem Essen bei Foodguide hochlade. Gibt es jemanden, der sich das Bild noch einmal anschaut und prüft?

Grundsätzlich kann erstmal jeder alles hochladen. Pro Tag bekommen wir bis zu 150 Fotos. Wenn dann die Bildqualität nicht stimmt und das Foto zum Beispiel zu hell oder zu dunkel ist, wird das durch einen Filter rückwirkend abgelehnt. Ansonsten guckt auch noch ein Mitarbeiter über die Fotos.

Was ist euer Vorteil gegenüber Bewertungsplattformen wie Yelp oder Tripadvisor?

Wir unterscheiden uns dadurch, dass wir keine Bewertungsplattform sind. Das heißt, man öffnet unsere App nicht, um ein Restaurant zu finden, wo man am nächsten Tag hingehen möchte. Sondern eher, wenn man gerade Hunger hat und in der Umgebung etwas sucht. Uns gibt es nicht auf Restaurant-Ebene, uns gibt es nur auf Gerichte-Ebene.

In wie vielen Städten ist Foodguide zurzeit aktiv?

Wir haben kein Facebook oder Jodel, was man überall benutzen kann. Foodguide geht nur in relevanten Großstädten und davon gibt es in Deutschland vier: Hamburg, Berlin, Köln und München. Insgesamt sind wir in 25 europäischen Metropolregionen aktiv.

Und welche ist die stärkste?

Vom Umsatz und den Nutzeraktivitäten her ist es Hamburg. Direkt danach kommt London. Der Umsatz ist dort zwar noch gering, aber die Nutzerzahlen sind uns viel wichtiger. In London und England sind wir mittlerweile der größte Foodblog und das ist relevant.

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Nutzer können über eure App bei Partnern wie Foodora Essen bestellen oder bei Bookatable einen Tisch buchen. Ihr erhaltet dann eine Provision von deren Umsatz. Wie viel Geld bekommt ihr am Ende selbst?

Das sind Centbeträge und da müssten viele Leute buchen, damit wir irgendwann Millionäre werden. Aber wir wollen eh nicht wirklich viel Geld haben, sondern coole Gastronomen an uns binden. Uns geht es hier nicht um Umsatz.

Bei DHDL hat euch Jurorin Dagmar Wöhrl dazu geraten, erst einmal das Geschäft in Deutschland aufzubauen, bevor ihr den Schritt in die USA wagt. Wollt ihr es hierzulande bei den vier Städten belassen?

Es bringt nichts, weiterhin in Deutschland zu investieren. Wir haben uns schon viel damit beschäftigt, inwiefern die kleinen Städte relevant sind und haben die auch ausprobiert. Aber es würde sich nicht lohnen.

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Was glaubt ihr, wie lange der Trend rund um Food-Bilder auf Instagram noch anhalten wird?

Glücklicherweise merken wir noch nicht, dass das abebbt. Besonders in London wachsen wir exponentiell am stärksten. Wohingegen der Markt in Hamburg oder Berlin langsamer wächst, weil da der Hype anscheinend um ist. Ich glaube, für die nächsten eineinhalb Jahre ist es noch nicht richtig aussagekräftig, wie weit Instagram sich entwickelt. Aber bis dahin sollten wir es geschafft haben, dass wir Instagram als Marketingkanal nicht mehr brauchen.

Ihr wollt die Daten auch an die Industrie verkaufen. Das klingt für den Nutzer erst einmal abschreckend. Ist das kein Nachteil?

Wir wollen nicht die Daten, sondern die Trends und das Nutzerverhalten verkaufen. Unsere Vision ist, dass wir Dr. Oetker 2019 sagen können, wie sie ihre Pizza belegen sollen. Weil wir gerade einen Trend bemerken, der gleichzeitig von Hongkong und Australien in Richtung Europa schwappt. Fairerweise sind wir aber noch lange nicht so weit, dass wir Trendforschungsagenturen ersetzen oder helfen können.

Danke für das Gespräch, Malte!

Bild: Foodguide

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