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Was Delivery Hero mit dem IPO-Geld vorhat

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Delivery Hero legt seinen Börsenprospekt vor. Aus diesem wird klar: Das Unternehmen möchte mit einem großen Teil der Einnahmen vor allem die eigene Bilanz säubern.

Die Berliner Tech-Hoffnung Delivery Hero hat am Dienstagmorgen ihren Börsenprospekt vorgestellt. Bei einer Telefonkonferenz mit Journalisten erklärte Geschäftsführer Niklas Östberg, dass man mit dem Geld aus dem IPO Schulden abbezahlen und so die Bilanz säubern wolle.

Aus den Einnahmen des Börsengangs sollen demnach 310 Millionen Euro dafür genutzt werden, Kredite und Darlehen zurückzuzahlen. Ein großer Kreditgeber von Delivery Hero ist der Berliner Konzern Rocket Internet, welchem etwa 35 Prozent an dem Lieferdienst-Vermittler gehören.

Erst vor wenigen Tagen hatte Delivery Hero noch einen Kontokorrentkredit über 75 Millionen Euro aufgenommen. Das ist eine sehr teure Finanzierungsmöglichkeit für Unternehmen, hat aber den Vorteil, jederzeit zurückgezahlt werden zu können.

Wie Delivery Hero bereits am Montag verkündete, plant das Unternehmen, bei seinem Börsengang Ende Juni zwischen 450 Millionen und knapp einer Milliarde Euro einzunehmen. Je nach Emissionspreis könnte am Ende also gar nicht so viel Kapital für das Unternehmen selbst übrig bleiben. So muss Delivery Hero beispielsweise noch mindestens 48 Millionen Euro an verschiedene Gründer zahlen, deren Unternehmen es aufgekauft hat.

Niklas Östberg sagte, mit dem übrigen Kapital wolle man die Chance ergreifen, weiter organisch zu wachsen – wenn sich aber die Möglichkeit ergebe, ziehe er auch unorganisches Wachstum – also Zukäufe – in Betracht.

Östberg erklärte weiter, von Investoren habe er bisher „überwältigend“ positives Feedback bekommen. Sie spräche besonders die „europäische Wachstumsstory“ an und die Technologie, die Delivery Hero gebaut habe. Tatsächlich steht das Unternehmen technologisch vor vielen Herausforderungen: Delivery Hero hat seine Präsenz in Märkten vor allem durch Zukäufe ausgebaut, die verschiedenen Ländergeschäfte laufen also oft auf verschiedenen Plattformen. Das macht das Geschäft teuer: Jede Plattform braucht ein eigenes Produktteam.

Das Wachstum gelingt durch immense Marketingausgaben

Der große Markt mit einem Volumen von geschätzten 72 Milliarden Euro – beziehungsweise genauer: das mögliche Wachstum – sei ebenfalls attraktiv für die Investoren, wirbt Östberg. „Ihnen gefällt, dass wir ein globaler Leader sind. Wir haben die meisten Bestellungen und die meisten Restaurants.“ Das Berliner Unternehmen sei führend in 35 der 40 Märkte.

Um dahin zu gelangen, musste Delivery Hero allerdings im vergangenen Jahr signifikante Summen ins Marketing investieren: insgesamt mehr als 250 Millionen Euro. Unter dem Strich stand 2016 dann ein Verlust von knapp 200 Millionen Euro und ein Umsatz von etwa 300 Millionen. Zwar wuchs der Umsatz im ersten Quartal 2017, auch die Profitabilität verbesserte sich. Allerdings schrieb Delivery Hero weiterhin einen Verlust von 50,8 Millionen Euro (Vorjahreszeitraum: minus 64,8 Millionen) und erhöhte seine Marketingausgaben massiv.

Der Charme des Geschäftsmodells und damit möglicher Investoren-Anreiz laut Östberg: Es könne sehr profitabel sein, wenn es eine bestimmte Größe habe. Wie groß Delivery Hero werden muss, um diesen Punkt zu erreichen, sagte Östberg allerdings nicht.

Den Appetit der Investoren scheint das nicht zu mindern: Gegen Ende des Pressetelefonats verkündete der Goldman-Sachs-Banker Christoph Stanger, der den Börsengang begleitet, die Bücher seien bereits voll. „Das Unternehmen möchte nun ein möglichst gutes Bookbuilding betreiben und kann sich die Investoren aussuchen.“

Bild: Dean Belcher

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