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„Ich habe verstanden, dass mich nicht jeder mögen kann“

Ella Mills

Ella Mills wurde als Food-Bloggerin berühmt. Heute beschäftigt sie als Unternehmerin dutzende Mitarbeiter. Wie sie das geschafft hat, erzählt sie im Interview.

Ella Mills, bekannt unter dem Namen Deliciously Ella, ist der wohl berühmteste Foodie ihrer Generation. 2012, im Alter von gerade einmal 21 Jahren, startete sie ihren Blog mit gesunden Rezepten ohne raffinierten Zucker oder Weizenmehl – und zündete damit einen Trend. Es folgten mehrere Kochbücher, die zu Bestsellern wurden und sich teilweise schneller und häufiger als die von Star-Koch Jamie Oliver verkauften.

Vor zwei Jahren mauserte sich Ella Mills, Tochter einer Erbin der Supermarkt-Kette Sainsbury, von der Food-Bloggerin zur erfolgreichen Unternehmerin. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Matthew Mills leitet sie heute ein kleines Food-Imperium mit Restaurants, Catering und eigenen Produkten. 

Im Berliner Soho House trafen wir die 26-Jährige zum Interview. Es gab Wasser und grünen Tee – sehr gesund, versteht sich. 

Ella, wie sieht ein normaler Arbeitstag bei Dir aus?

Kein Tag ist gleich. Meine Bücher wurden mittlerweile in 22 Sprachen übersetzt und ich reise sehr viel, um sie vorzustellen. Daneben produziere ich Inhalte für meine Seite und die Social-Media-Kanäle. Außerdem haben wir ja mittlerweile drei Restaurants in London, bieten Catering an und verkaufen unsere eigenen Produkte in Supermärkten. Jeden Tag muss ich mich also um etwas anderes kümmern. Aber ich liebe das! Nur deshalb kann ich weitermachen. Immer wenn mir langweilig wird, kommt etwas Neues.

Du führst Dein Unternehmen gemeinsam mit Deinem Mann Matthew Mills. Wie viele Mitarbeiter arbeiten für Euch?

Mittlerweile haben wir 75 Mitarbeiter für alle Bereiche. Viele davon sitzen in unserem Büro in London, einige arbeiten in den Restaurants.

Wie viel Umsatz macht Dein Unternehmen?

Dazu kann ich leider nichts sagen. Bisher haben wir alles reinvestiert, was wir eingenommen haben. Bei mir lief es etwas ungewöhnlich ab, schließlich habe ich zuerst eine Marke aufgebaut und jetzt erst entwickeln wir Produkte mit dieser Marke. Üblicherweise läuft es andersherum.

Musstest du also nie fremdes Geld für Dein Unternehmen aufnehmen?

Bisher nicht.

Du hast Deine Restaurants in London eröffnet. Deutschland ist ebenfalls ein sehr wichtiger Markt für Dich. Wird es hier auch bald Restaurants von Dir geben?

Vielleicht. Die Restaurants sind für uns bisher Marketing, weil Menschen dort hinkommen und mein Essen und die Produkte probieren können. Insofern bin ich nicht sicher, ob wir mit diesem Konzept expandieren. Es wäre eine große Herausforderung, die Qualität der Produkte zu kontrollieren.

Und Deine Produkte, die Du im Supermarkt verkaufst? Wird es die bald hier geben?

Die wird es zu hundert Prozent bald in Deutschland geben. Deutschland ist einer der ersten Märkte, in die wir gehen wollen. 

Mittlerweile gibt es viele erfolgreiche Food-Blogger, die ähnlich wie du gesunde Rezepte entwickeln und diese über Instagram und Facebook teilen. Hast du Angst, dass du irgendwann ersetzt wirst?

Es gibt tatsächlich irre viele Food-Blogger da draußen. Deswegen wollte ich so schnell wachsen und mich entwickeln. Wenn ich immer nur weiter meinen Blog geschrieben hätte, wäre es irgendwann sehr langweilig geworden und andere wären an mir vorbeigezogen. Aber aktuell sind wir einige Schritte voraus. 

Du hast Deinen Blog vor fünf Jahren gestartet, da warst Du 21 Jahre alt. 2015 wurde daraus ein Business. Wie hast du Dich persönlich verändert in den vergangenen Jahren?

Ich würde mich nie mehr nur noch als Food-Blogger bezeichnen. Ich habe viel gelernt in den vergangenen Jahren und bin so schnell erwachsen geworden. Ich bin diesen Monat erst 26 Jahre alt geworden! Meine Freunde gehen aus und trinken. Ich sitze zu Hause und schaue Tabellen an. Aber mir macht das irre Spaß. In den vergangenen Jahren stand meine Arbeit über allem, aber ich glaube, das war richtig. Denn ich wollte die Chance, die mir geboten wurde, nutzen. So habe mehr erreicht, als ich mir je erträumt hätte.

Anfangs sagtest Du in Interviews, dass Dich negative Kommentare oder Beleidigungen unten Deinen Beiträgen traurig machen. Bist Du da mittlerweile abgebrüht?

Ja, schon. Es gibt ja immer wieder Menschen, die sagen, dass sie diese Kommentare nicht interessieren. Das kann ich nicht verstehen! Wie kann einem das egal sein? Aber auch ich habe verstanden, dass mich nicht jeder mögen kann – das ist unmöglich. Das zu versuchen, hält mich nur auf.  

Du zeigst auf Instagram oder Facebook viele Bilder aus Deinem Privatleben, von Deiner Hochzeit oder aus Deinem Urlaub beispielsweise. Macht das Deinen Erfolg aus?

Ja und nein. Verglichen mit anderen Personen, die sich online präsentieren, teile ich sehr wenig. Und wenn ich etwas teile, dann ist das ein Foto von einer Landschaft oder ein Selfie von Matt und mir. Aber ich poste keine Bilder von Freunden oder einem Abendessen, auf dem ich war. Das ist mir zu privat.

Was macht also Deinen Erfolg aus?

Es gibt so viele Elemente. Es ist vor allem gutes Timing. Gute Mitarbeiter. Und Optimismus. Probleme immer als Herausforderungen zu sehen – das hilft. Und dann versuche ich, sofort nach einer Lösung suchen.

In England bist Du ein richtiger Promi, fast jeder kennt Dich. Kannst Du überhaupt noch durch die Londoner Straßen laufen, ohne erkannt zu werden?

Ja, das geht schon manchmal. Ich habe auch kein Interesse daran, ein richtiger Promi zu sein. Deswegen gehe ich auch nie auf öffentliche Partys und andere Veranstaltungen. Matt und ich leben eigentlich ein sehr ruhiges Leben in London. Ich will nicht, dass eines Tages irgendwo steht, welches Kleid von welchem Designer ich trage. Das passt nicht zu mir. 

Danke für das Interview, Ella. 

Bild: Sophia Spring

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