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So funktioniert das Zukunfts-Restaurant Data Kitchen

DataKitchen

Ein bekannter Berliner Gastronom hat in Kooperation mit SAP ein Restaurant eröffnet, das nur digital Bestellungen annimmt. Wir waren für eine Mittagspause vor Ort.

„Dein Essen steht in Box J bereit“, heißt es in meiner Mail. Gemeinsam mit meiner Kollegin hetze ich zum Restaurant, der Data Kitchen am Hackeschen Markt in Berlin. Wir sind noch nicht zu spät. Als wir durch die Tür kommen, erblicke ich an der Wand zwei Glasboxen mit futuristischen Streifen, auf denen mein Name steht. Darin stehen silberne Tablets mit Essen. Die Box lässt sich über einen Link in der Mail öffnen. Schon halte ich mein Essen in der Hand.

Die Software kommt von SAP

Die Data Kitchen soll Berlins erstes Digitalrestaurant sein, wie der Tagesspiegel schreibt. Es fühlt sich an wie die Mensa der Zukunft, eine digitale Kantine. Nur in schöner. Wer hier in der Früh oder mittags essen möchte, kann vorab bestellen und bezahlen. Zu der gewünschten Uhrzeit steht das Essen dann in den beschrifteten Glasboxen bereit. Lange Wartezeiten, langsame Kellner oder mühsame Barzahlung – alles fällt hier weg. Ein Restaurantbesuch, der besonders effizient ablaufen soll.

Die Idee stammt von Heinz „Cookie“ Gindullis, der bereits die in der Startup-Szene beliebten Lokale „Crackers“, „Chipps“ oder „Trust“ eröffnet hat. Er hat das Konzept, das bereits ähnlich von der US-Kette Eatsa umgesetzt wurde, in Zusammenarbeit mit SAP entwickelt. Der Software-Hersteller hat in der Rosenthaler Straße 38 einen sogenannten Data Space eröffnet. In dessen Mitte liegt nun das Restaurant.

Mit Bargeld geht hier nichts

Doch läuft die Mittagspause tatsächlich so effizient ab wie angekündigt? Das wollen meine Kollegin und ich testen. Unser Essen habe wir vorab über die Internetseite des Restaurants bestellt. Wir mussten festlegen, um wie viel Uhr und welches Gericht wir essen wollen. Entschieden haben wir uns für Herbstgemüse und Kürbisrisotto. Eine App für diesen Prozess gibt es bisher nicht, noch steckt das Projekt in der Betaphase.

Die Gerichte kosten jeweils fünf Euro. Das finden wir so günstig, dass wir jeweils noch einen Smoothie für zwei Euro dazu bestellt haben. Zum Nachtisch gönnen wir uns einen Brownie und Tee. Zusätzlich habe ich angeklickt, dass ich zehn Prozent Trinkgeld zahlen möchte. Macht insgesamt 22 Euro. Alles habe ich mit Paypal bezahlt.

Keine Roboter, kein 3D-Essen

Als wir das Tablet mit unserem Essen etwas verspätet aus dem Glaskasten ziehen, ist es noch warm. Eine Plastikglocke ist über den Teller gestülpt. Die Box schließt sich automatisch, mein Name verschwindet, das Licht im Inneren erlischt. Das war einfach, denke ich mir.

Ab hier beginnt der nicht-digitale Teil der Data Kitchen. Das Essen kommt nicht aus dem 3D-Drucker, kein Roboter fährt durch den Raum, um die leeren Teller abzuräumen. Eine echte Kellnerin erklärt uns, dass die Gerichte größtenteils vegetarisch seien, die meisten Zutaten kämen aus der Region. Wenn Gäste nicht zur angegebenen Uhrzeit erscheinen, sei das ein Problem, sagt sie. Eine Weile bleibe es dann einfach noch in den Boxen stehen. Und irgendwann würde es ausgetauscht. Das Essen sei nämlich so frisch, dass es nicht einfach nochmal in die Mikrowelle gesteckt und aufgewärmt werden könne.

Es schmeckt uns sehr gut, die Portionen sind nicht riesig, aber wir werden satt. Auch das Restaurant ist gemütlich, mit einer Kantine hat das nichts zu tun. Der größte Vorteil ist für uns, dass wir nicht auf unser Essen oder die Rechnung warten müssen. So können wir die einstündige Mittagspause in Ruhe genießen. In den kommenden Wochen soll die offizielle Eröffnung der Data Kitchen sein. Die 20 Boxen dürften dann vermutlich schnell belegt sein.

Bilder: Hannah Scherkamp / Gründerszene

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