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Wie läuft’s eigentlich bei den Catering-Startups?

Doreen Huber (oben links), die Gründerinnen Sophie Radtke und Therese Köhler (oben rechts, v. l. ) sowie die Caterwings-Geschäftsführer Stephan Grund, Susannah Belcher und Alexander Brunst (v. l.)

In den vergangenen Monaten sind mehrere Catering-Marktplätze in Berlin gestartet. Die Konkurrenz ist groß, doch bisher sind nur wenige Zahlen bekannt.

Der Catering-Markt erblühte im August 2015 mit dem Berliner Startup Heycater. Zwei junge Gründerinnen, Therese Köhler und Sophie Radtke, hatten in der Hauptstadt einen Marktplatz für die Vermittlung von Catering-Unternehmen gestartet, einen fünfstelligen Betrag hatten sie für den Anfang von Geldgebern eingesammelt. Firmen und Privatpersonen können über die Webseite einen Caterer für Geburtstagspartys, Firmenevents oder Messen auswählen und buchen. Für eine Vermittlung muss der jeweilige Caterer eine Provision an das Startup abgeben.

Die Mission von Heycater: die Branche cool machen. „Catering hat aktuell eine negative Konnotation, weil es häufig mit langweiligen Mozzarellaspießchen und eingetrocknetem Kartoffelgratin assoziiert wird“, sagte Gründerin Sophie Radtke damals gegenüber Gründerszene.

Der erste wichtige Wettbewerber tauchte nur wenige Wochen nach dem Start von Heycater auf. Rocket Internet verkündete, ein ähnliches Konzept starten zu wollen. Der Name: Caterwings. Das Venture launchte zunächst in London, es folgte die Expansion nach Berlin und in weitere Städte. Mehrere Millionen Euro flossen in den darauffolgenden Monaten in Caterwings, vor allem von Rockets treuen Unterstützern Holtzbrinck Ventures und Tengelmann Ventures.

Im Frühjahr dieses Jahres ging schließlich der nächste Wettbewerber an den Start: Lemoncat von Gründerin Doreen Huber. Die 34-Jährige war jahrelang als COO für das Berliner Liefer-Unternehmen Delivery Hero tätig und kannte sich so gut im Food-Markt aus. Pikant: Auch ihr gab Rocket Internet, eigentlich Initiator von Caterwings, über die sogenannte Convenience Food Group Geld für den Start.

Wie läuft es aktuell am Markt? Erdrückt das von Rocket finanzierte Caterwings das kleinere Startup Heycater? Oder haben alle Angst vor der gut vernetzen Doreen Huber? Wir haben nachgehakt.

„Wir sind einfach eine coole Company.“

Schnell wird klar: Die Gründerinnen von Heycater haben sich in den vergangenen Monaten nicht von der durch Rocket Internet finanzierten Konkurrenz einschüchtern lassen. Auch durch den engagierten Berliner Investor Christophe Maire mit Atlantic Food Labs, der seit einigen Monaten investiert ist, haben sich Therese Köhler und Sophie Radtke bereits einen Namen in der Startup-Szene gemacht. Von Branchenkennern heißt es, die Gründerinnen hätten mit wenigen Mitteln ein engagiertes Team und gute Kontakte zu Caterern aufgebaut, die nun loyal mit dem Startup zusammenarbeiteten.

„Wir haben eine hohe Kundenbindung, weil wir einfach eine coole Company sind“, sagt Therese Köhler selbstbewusst. Sie wolle eine solide und nachhaltige Firma aufbauen, schnelles Wachstum sei ihr weniger wichtig. „Ein B2B-Geschäft kann man nicht in aggressiver Rocket-Manier aufbauen. Die Kunden müssen sorgfältig behandelt werden.“ Langfristig sei es geplant, Heycater weg von einem Marktplatz hin zu einer SaaS-Lösung zu entwickeln, über die die Kunden alles online abwickeln können.

22 Mitarbeiter beschäftige Heycater mittlerweile in vier Städten für seine Vermittlung, sagt Köhler. 237 Caterer seien auf der Seite gelistet, den Umsatz wolle sie nicht nennen. Auf die Frage nach der Konkurrenz gibt sich Köhler entspannt: „Lemoncat ist die Art von Konkurrenz, die einen pusht, Caterwings hingegen inspiriert uns nicht“, sagt sie.

Wer ist vorne?

Caterwings ist in gewöhnlicher Rocket-Manier deutlich schneller als Heycater gewachsen, mehr als 50 Mitarbeiter beschäftigt das Startup mit Hauptsitz in Berlin mittlerweile, elf Städte in Deutschland, England und Holland werden bedient. Insgesamt 350 Caterer verzeichne Caterwings weltweit, sagt Gründer Sebastian Kloss, der Ende des Monats das Startup für einen neuen Job verlassen wird. Die meisten Endkunden erreiche das Startup in London und Berlin, viele seien Bestandskunden. Sowohl Startups als auch Dax-Konzerne gehörten dazu. Diese können über das Rocket-Venture Catering von fünf bis 500 Personen bestellen.

Für die Konkurrenz hat Kloss vor allem lobende Worte übrig: „Heycater geht mit sehr viel Empathie an die Sache“, sagt er. „Lemoncat genießt ein professionelles Ansehen.“ Der Markt entwickle sich seiner Meinung nach insgesamt sehr gut. „Aber wir wachsen von allen Playern in Deutschland derzeit deutlich am schnellsten“, betont der Ex-BCG-Berater.

Aber stimmt das? Doreen Huber, Gründerin von Lemoncat, sieht das anders: „Wir sind in Deutschland gerade in Hinblick auf Sichtbarkeit und Traffic an Heycater und Caterwings vorbeigezogen“, sagt sie und verweist auf die geschätzten Zahlen des Anbieters SimilarWeb. Genaue Umsatzzahlen möchte auch sie nicht nennen. „Wir arbeiten knallhart daran, dass wir im ersten Halbjahr 2017 in Deutschland die klare Nummer eins sind.“ Bisher arbeiten 25 Mitarbeiter für das Startup, das bereits mehr als 250 Caterer in 36 Städten vermittelt.

Kaum Zahlen vorhanden

Wer nun bei den deutschen Startups tatsächlich vorne liegt, lässt sich nur schwer ermitteln. Alle drei Startups nennen keine Umsatzzahlen. Die Besucherzahlen, die Similarweb angibt, sind niedrig, aus einem direkten Vergleich ergibt sich höchstens eine Tendenz. Alle Seiten zählen demnach weniger als 10.000 Besucher monatlich, noch ist der Traffic demnach gering. Kleiner sind weitere Wettbewerber, wie beispielsweise CaterCloud, der von dem ehemaligen Head of Sales von Movinga, Jens Basenach, im Sommer gestartet wurde.

Für Caterwings, Heycater und Lemoncat könnte dies nun bedeuten, dass sie entweder sehr wenige aktive Kunden haben oder aber die meisten Kunden gar nicht über die Webseite buchen und lieber telefonisch ihren Caterer reservieren und bei ihrem Ansprechpartner Sonderwünsche äußern. Im zweiten Fall wäre die Vision der Startups, die Vermittlung von Caterern zu digitalisieren, bisher nicht eingetroffen. Wenn die meisten Kunden die Buchung des Caterings sowie die Zahlungsabwicklung lieber telefonisch abwickeln, wäre eine kostengünstige Skalierung des Services schwierig. Nicht nur weil die jungen Unternehmen dann – ähnlich wie in einer Event-Agentur – mehr Mitarbeiter für die Betreuung bräuchten, sondern auch, weil eine technische Weiterentwicklung des Systems in diesem Fall den Aufwand kaum lohnt.

Bei Google hat sich Caterwings für Suchbegriffe wie „Catering“ oder „Catering buchen“ den ersten Anzeigenplatz erkauft. Auf Facebook oder Instagram sind die drei Startups hingegen schwach. Mit rund 1.200 Likes liegt Heycater bei Facebook vorne. Zwar sind diese Kanäle für die Kundengewinnung der drei Unternehmen nicht entscheidend, sie deuten aber darauf hin, dass sich alle drei Marken bisher nicht etablieren konnten. Offenbar brauchen Heycater, Lemoncat und Caterwings noch etwas Zeit.

Freies Mittagessen? Nicht in Deutschland

Doch unterscheiden sich die drei Startups überhaupt voneinander? Aktuell nur geringfügig. Lemoncat hat sich seit dem Start im Sommer ausschließlich auf Geschäftskunden konzentriert, Privatkunden werden, anders als bei Caterwings oder Heycater, gar nicht bedient. „Wir haben Geschäftskunden, die jeden Tag bei uns Frühstück oder Mittagessen bestellen“, sagt Huber. Der Fokus sei wichtig, weil Unternehmen ganz andere Bedingungen stellen würden als Privatkunden, glaubt sie.

Auch für Caterwings und Heycater, die ebenfalls Catering-Anbieter für private Events vermitteln, sind Firmen die wichtigeren Kunden. Denn sie bestellen regelmäßig für mehr Personen und bringen den Startups so eine höhere Provision ein. Der Haken: In Deutschland ist es für Arbeitgeber bisher nicht üblich, ihren Mitarbeitern ein freies Frühstück oder Mittagsbuffet bereit zu stellen. In London, New York oder San Francisco sieht das anders aus. Gutes und kostenfreies Essen gilt dort als Mittel, um Mitarbeiter zu motivieren und anzulocken. Auch deshalb sind Startups wie EzCater, ZeroCater oder EatClub, die Vorbilder für die deutschen Player, in den USA sehr erfolgreich. Hier hinken die deutschen Startups noch hinterher. Die Entwicklung beginnt hierzulande gerade erst.

Bild: Caterwings / Lemoncat / HeyCater

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