Die Bubble-Tea-Branche will mit neuem Image wieder angreifen

Es gibt kaum noch Bubble-Tea-Läden. Doch die wenigen, die es gibt, sind oft überfüllt. Nach der Krise wittert die Branche eine neue Chance.

Wer regelmäßig durch die Rosenthaler Straße in Berlin-Mitte geht, dem wird eine Menschentraube nicht entgehen, die sich bei Wind und Wetter vor einem Geschäft mit dem Namen Comebuy ansammelt. Gruppen von Schülern, Touristen und viele Asiaten stehen hier für ein ganz bestimmtes Getränk an. Auch in der Joachimstaler Straße in der Nähe des Kurfürstendamms findet man meist eine lange Schlange unter dem gleichen Schriftzug. Die beiden Geschäfte sind Überreste eines Food-Trends, der inzwischen als tot gilt: Bei Comebuy gibt es Bubble Tea. Hat das Getränk vielleicht doch eine Zukunft?

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Von 2010 bis 2012 entstanden Hunderte Bubble-Tea-Läden in Deutschland. Das Tee-Getränk, das in Asien weit verbreitet ist, wurde speziell unter Jugendlichen zum Trend. Auch McDonalds nahm den Drink mit den kleinen Kügelchen ins Angebot auf. Doch das Ende des Booms kam sehr schnell. Als Auslöser wird ein Artikel in der Rheinischen Post vom 22. August 2012 gesehen. In diesem Beitrag warnten Wissenschaftler der RWTH Aachen vor krebserregenden Stoffen in den kleinen Kügelchen im Bubble Tea. Es stecke „jede Menge Dreck“ in den Kugeln. Das Echo war verheerend. Alle großen Medien nahmen die Vorwürfe auf, die Kunden wandten sich ab. Bei den großen Anbietern brach der Umsatz um bis zu 80 Prozent ein, die meisten Filialen, von denen viele erst kurz zuvor eröffnet hatten, mussten schließen.

Ist Bubble Tea wirklich so ungesund?

Man könnte meinen: Das war's für Bubble Tea in Deutschland. Gäbe es da nicht Comebuy. In dem Laden in Berlin-Mitte ist von einer Krise keine Spur mehr. „Unser Geschäft läuft so gut, weil unsere Kunden uns aus unseren anderen Filialen auf der ganzen Welt kennen“, ist sich der Geschäftsführer der Filiale in Mitte, Chi-Hao Wen, sicher. In der Tat hat das Unternehmen neben Berlin Standorte in den USA und in zahlreichen asiatischen Ländern. Es gilt als authentisch, da es - wie der Bubble Tea selbst - aus Taiwan kommt, anders als die vielen Franchises vor sechs Jahren.

Seinen Namen verdankt der Bubble Tea den kleinen Kugeln etwa aus Tapioka oder Alginat

„Die Kunden wissen, dass es bei uns echten, frischen Tee gibt“, sagt Wen. Auch dem Vorwurf, Bubble Tea sei ungesund, greift er zuvor. „Man kann bei uns ja selbst bestimmen, wie viel Zucker man in seinen Tee haben will.“ Zu dem Erfolg von Comebuy könnte auch beitragen, dass es in der deutschen Hauptstadt derzeit nur noch einen einzigen anderen Bubble-Tea-Laden gibt. BoboQ, ebenfalls in Berlin-Mitte. In Deutschland habe sich der schlechte Ruf von Bubble Tea „schon eingebrannt“, meint Wen. 

Ob der öffentliche Furor auf das Trend-Getränk tatsächlich berechtigt ist, darf allerdings angezweifelt werden. Manfred Möller, einer der RWTH-Forscher, den die Rheinische Post damals zitiert hatte, sagte ein Jahr später, man habe damals gar keine Aussage über das Gesundheitsrisiko des Tees ableiten wollen. Bei der Untersuchung sei es lediglich um den Test eines neuen Messgerätes gegangen. Bis heute lässt sich auf der Internetseite der RWTH Aachen weder eine Pressemitteilung noch eine wissenschaftliche Publikation der Untersuchungsergebnisse finden. Wie und warum die Ergebnisse der Forscher derart plakativ kommuniziert wurden, ist nach wie vor unklar. Die Berichterstattung über seine Forschung nannte Möller eine „Verleumdungskampagne“. 

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Das Verbraucherschutzministerium NRW hatte infolge der Berichterstattung eigene Untersuchungen in die Wege geleitet. In den Proben konnten keine gesundheitsschädlichen Stoffe nachgewiesen werden, wie das Ministerium auf Anfrage von NGIN Food mitteilt. „Die RWTH hat die genaue Menge der gemessenen Stoffe unseres Wissens nie veröffentlicht“, heißt es weiter. Auch in Getränken aus dem asiatischen Raum konnten keine giftigen Rückstände gefunden werden. Es habe damals lediglich Kennzeichnungsmängel zu beanstanden gegeben, zudem wird davor gewarnt, dass Kinder sich an den Kügelchen verschlucken können.

Bubble Tea braucht ein neues Image

Gut fünf Jahre nach dem Boom steht nach wie vor der Verdacht im Raum, dass übereifrige Forscher unzähligen Gründern und Franchise-Nehmern ihr Geschäftsmodell ruiniert haben. Wenn man bei BoboQ nachfragt, hat Bubble Tea dennoch eine Zukunft in Deutschland. Das Unternehmen gibt es seit 2010, es ist der größten Anbieter für die Zutaten des süßen Getränks hierzulande. Zur Hochzeit des Bubble-Tea-Booms hatte das Unternehmen außerdem 108 Franchises in Europa, über 20 davon in Deutschland. Aktuell ist es nur noch eine Filiale in Berlin. 

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Doch das soll sich ändern. „Seit etwa zwei Jahren geht es wieder bergauf“, sagt Henry Hsieh, bei BoboQ zuständig für internationalen Verkauf ist. „Es gibt wieder mehr Anfragen, wir planen gerade, neue Bubble-Tea-Franchises zu eröffnen.“ Dabei ist BoboQ klar, dass sich vor allem die Außendarstellung ändern muss. „Wir setzen auf ein neues Image“, erklärt Hsieh gegenüber NGIN Food die Pläne des Unternehmens. „Wir werden sehr viel mehr mit natürlichen Produkten arbeiten, auf Bio setzen und hochwertige Zutaten verwenden.“ Außerdem plant er, einen weiteren Gastro-Trend zu nutzen. „Wir wollen mit der Streetfood-Szene zusammenarbeiten", sagt Hsieh. „Ich denke, das ergänzt sich gut.“  

Bilder: Comebuy/Sean Gallup / Staff

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