„Ich hatte noch nie so wenig Schlaf“

Der Potsdamer Student Jonas Pohlmann hat ein Bootcamp zum Thema Food-Innovationen mitgemacht. Im Interview verrät er, ob sich die Reise nach Taiwan gelohnt hat.

Das Massachusetts Institute of Technology gilt als Elite-Hochschule. 78 Nobelpreisträger hat das US-Amerikanische Institut seit der Gründung im Jahr 1861 hervorgebracht, studiert haben sie vorwiegend naturwissenschaftliche oder technische Fächer. Das Studium am MIT ist mit etwa 25.000 Euro pro Jahr zwar teuer, aber beliebt – nur jeder zehnte Bewerber wird angenommen.

Jonas Pohlmann studiert nicht am MIT, sondern IT Systems Engineering in Potsdam. Weil er trotzdem Einblicke in die Lehre der Hochschule aus Cambridge in Massachusetts bekommen wollte, nahm er an einem ihrer sogenannten Bootcamps teil. Dabei sollen sich Studierende aus aller Welt sechs Tage lang mit einem bestimmten Thema befassen. In Pohlmanns Fall ging es nach Taiwan, der Titel des Programms lautete „Beyond Food“: Eine Woche lang drehte sich alles um Innovationen aus dem Lebensmittel-Bereich. Wir haben bei dem 23-Jährigen nachgefragt: Was lernt man wirklich im Bootcamp der Elite-Uni?

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Jonas, wie lief der Bewerbungsprozess für das Bootcamp ab?

Insgesamt bestand er aus drei Stufen. In der ersten Stufe musste ich meinen Lebenslauf einreichen – das war recht einfach. In der nächsten Runde sollte ich ein Bewerbungsvideo einschicken. Im besten Falle spricht dir noch jemand ein Empfehlungsvideo ein. Netterweise hat das in meinem Fall eine Professorin meines Auslandssemesters gemacht. In der dritten Stufe musste ich schließlich in einem Interview Fragen beantworten. Am Ende wurden von 1000 Bewerbern 50 Leute angenommen.

Wie hast du deinen Aufenthalt in Taiwan finanziert?

Nur die Tuition Costs, also die Teilnahmegebühren ohne Unterkunft und Flug, haben 6.000 Dollar betragen. Mir ist es zum Glück gelungen, das Begabtenförderungswerk davon zu überzeugen, dass sie mich unterstützen. 

Das ist nicht wenig Geld. Was hast du dafür bekommen?

Ich habe Kontakte mit vielen Leuten aus verschiedenen Ländern geknüpft. Man lernt nicht nur Studenten kennen, sondern auch Leute, die vielleicht schon ein Startup gegründet haben. Ich war zum Beispiel in einem Team mit jemandem, der ein Startup in Südafrika gegründet hatte, einem Mädchen aus Taiwan, einem brasilianischen Gründer und einer veganen Köchin aus Malaysia. Ich war der einzige Deutsche in dem Bootcamp. Wir haben auch ein noch recht aktives Alumni-Netzwerk. Was ich außerdem gelernt habe: Man muss keine Angst davor haben, ein Startup zu gründen.

Wie liefen die Tage im Camp ab?

Wir haben den ganzen Tag von morgens bis abends Input bekommen und mussten danach noch viel selber erarbeiten. Das ging immer relativ lange, ich hatte noch nie so wenig Schlaf wie im Bootcamp! Die Deadline zur Abgabe der Aufgaben war drei Uhr nachts. Am nächsten Morgen bin ich wieder um sechs oder sieben Uhr aufgestanden. Ich hatte durchschnittlich dreieinhalb Stunden Schlaf.

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Was hast du Food-spezifisch gelernt?

Das Thema war Beyond Food. Wir haben uns auf Food Waste fokussiert – und einen smarten Mülleimer produziert. Ich habe viel vom Input der anderen gelernt. Zum Beispiel war ein Restaurantbesitzer da, der mich darauf hingewiesen hat, dass weltweit unglaubliche Mengen an Essen weggeschmissen werden.

Willst du jetzt auch in dem Bereich gründen?

Bevor ich beim MIT Bootcamp war, habe ich schon am Semester at Sea teilgenommen. Das ist ein Auslandssemester auf einem Kreuzfahrtschiff. Da habe ich realisiert, dass der Klimawandel aus meiner Sicht eines der größten Probleme ist. Ein Großteil des Klimawandels kommt durch die Nahrungsmittelproduktion, daher denke ich darüber nach, im Bereich Food Innovation oder Agriculture zu gründen. Aber ich will erstmal das Studium abschließen und noch mehr über Technologie und Food von den besten Leuten lernen. Ich bin überzeugt, dass ein Startup dann erfolgreich ist, wenn das Team richtig gut ist. Dafür will ich also weiterhin gute Leute kennenlernen und lernen wie man ein Startup aufbaut. Danach fühle ich mich bereit zu gründen.

Bild: Jonas Pohlmann

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