Bonaverde-Maschine im Test: „Es riecht nach Großbrand“

Die Crowd wartet seit Jahren auf die Kaffeemaschine von Bonaverde. Wir konnten nun eine Beta-Version des Geräts testen.

Der Postbote schleppt ein riesiges Paket herein. Da ist sie, die Kaffeemaschine von Bonaverde, auf die die Crowd seit Jahren sehnsüchtig wartet. Zumindest eine Beta-Version davon.

Die Maschine kann Kaffeebohnen rösten, mahlen und den Kaffee brühen. Besonders mild soll er schmecken. Der größere Gedanke hinter dem Prinzip: Kaffeebauern sollen ihre Bohnen direkt über Bonaverde an den Endkunden verkaufen können und so deutlich besser verdienen.

Für die Vision gaben rund 3.700 Unterstützer in drei Crowdfunding-Kampagnen mehr als zwei Millionen US-Dollar – doch die Lieferung verspätet sich bis heute. Der erste Termin war der Oktober 2014. Vor kurzem erhielt Bonaverde dann erneut ein Zwei-Millionen-Investment von Business Angels – wohl um die Maschine durch den Beta-Test zu bekommen und dann auch für die Masse produzieren zu können.

Das riesige Paket packen wir nun in der Gründerszene-Redaktion aus. Das Design kommt bei den Kollegen nicht gut an – „billige Verarbeitung“ sagt einer, „Computertower“ findet ein anderer. Da das Hauptziel aber guter Kaffee ist, möchten wir die Maschine testen – und haben das für euch gefilmt. Hier ist das Ergebnis:

Video: die Kaffeemaschine von Bonaverde im Test

Während des Tests haben wir festgestellt, dass die Anleitung noch lückenhaft ist. Das Einbauen des Luftfilters wird beispielsweise nicht erklärt. Auch fehlt der Schritt, dass der Nutzer einen Papierfilter in die Maschine einlegen muss. Nur durch einen Anruf bei den Presseverantwortlichen konnten wir verstehen, was wir konkret unternehmen müssen, um die Maschine in Betrieb zu nehmen. Immerhin: Das Problem ist bereits bekannt, die Anleitung soll mit dem Feedback aus der Beta-Phase überarbeitet werden.

Das Rösten der Bohnen, das Mahlen und Brühen läuft dann reibungslos ab. Ein Aspekt hat uns irritiert: Die rechte Seite des Geräts, wo der Luftfilter verbaut wurde, wird extrem heiß und sollte während des Vorgangs und kurz danach nicht angefasst werden. Eine Warnung dazu fehlt allerdings.

Anzeige
Und: Während des zwölfminütigen Röstens entsteht ein extrem starker Geruch, der erst nach Stunden des Lüftens das Zimmer wieder verlässt. Wie eine Kollegin nach dem Test berichtete, fragte gar ein unwissender Redaktionsbesucher im Nebenzimmer: „Alles in Ordnung bei euch? Hier riecht es nach Großbrand.“ Vielleicht liegt das aber auch daran, dass die Maschine noch ganz neu ist. Wer sich zu Hause mehrfach am Tag einen Kaffee mit der Maschine machen möchte, sollte davon ausgehen, dass womöglich irgendwann die Wohnung entsprechend duftet.

So schmeckt der Kaffee

Der Kaffee ist mild und schmeckt weich. Einigen Kollegen in der Redaktion hat das sehr gut gefallen, anderen war der Kaffee zu dünn. Die Stärke kann allerdings leicht angepasst werden, wir hatten uns zunächst für die mittlere Stufe entschieden. Bei einem zweiten Durchlauf füllen wir weniger Wasser in den Tank, bis zur Markierung „strong“. Das Ergebnis stößt auf sehr positive Reaktionen: „vollmunding“, „da ist richtig Geschmack drin“ und „perfekte Temperatur zum Trinken“, heißt es. Ein Kollege merkt an: „Jetzt bleibt natürlich die Frage, ob die Bohnen einfach richtig gut sind, oder eben auch die Maschine für den Geschmack sorgt.“

Sollte man das Gerät nun kaufen? Uns erscheint die Maschine noch nicht ganz ausgereift – was bei der Beta-Version natürlich völlig in Ordnung ist. Da sie allerdings derzeit stolze 800 US-Dollar kostet, sollte Bonaverde bis zur planmäßigen Versendung Ende 2017 („oder später“) noch einige Anpassungen vornehmen. 

Die Vision hinter der Maschine bleibt nobel. Wer in sie investieren möchte, ist mit Bonaverde also sicherlich gut bedient.

Bild und Video: Georg Räth/Gründerszene

Folge NGIN Food auf:

In Kooperation mit
amplifypixel.outbrain