Bonaverde erhält zwei Millionen – trotz Lieferschwierigkeiten

Tausende Crowd-Investoren warten seit Jahren auf ihre Kaffeemaschine von Bonaverde. Trotzdem konnte das Berliner Startup nun erneut frisches Kapital einsammeln.

Edel sieht sie aus, die silberne Kaffeemaschine, die das Berliner Startup Bonaverde jetzt ankündigt. Im mattpolierten Metall-Look soll sie rösten, mahlen und brühen können. Bonaverde will die Maschine künftig als Alternative zu dem weißen Standardmodell anbieten – und meldet nebenbei eine weitere Finanzierungsrunde.

Zwei Millionen Euro hat die Firma demnach bekommen, unter anderem von den Investoren Jens Odewald, Christian Potthoff-Sewing und dem früheren StudiVZ-CEO Michael Brehm, der Aufsichtsratsvorsitzender bei Bonaverde ist. Nach eigenen Angaben wird das Startup dabei mit 29 Millionen Euro bewertet – eine, wie Bonaverde betont, sehr hohe Summe für ein Unternehmen im Hardware-Bereich. Und eine hohe Summe für ein Startup mit Lieferschwierigkeiten.

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 und  haben das Unternehmen 2013 gegründet. Ihre Mission war, eine Kaffeemaschine zu entwickeln, die rösten, mahlen und brühen kann. Nutzer sollten die Bohnen über Bonaverdes Plattform direkt von Kaffeebauern aus verschiedenen Ländern kaufen können, die davon finanziell profitieren sollten. Ganz nach dem Prinzip „Kill the middleman“.

Erstes Kapital von der Crowd erhielt das Startup bereits Ende 2013 bei Indiegogo und Kickstarter sowie Anfang 2015 nochmal bei Seedmatch – insgesamt mehr als zwei Millionen US-Dollar. 3.700 Unterstützer investierten damals in das junge Unternehmen.

„Ein mühsamer Weg mit vielen Höhen und Tiefen“

Klingt nach einer Erfolgsgeschichte, hat aber einen Haken. Denn das Unternehmen hat bisher kaum Maschinen ausgeliefert. Der Versand der Kaffeemaschine war ursprünglich im Oktober 2014 geplant. Er wurde dann mehrfach nach hinten geschoben, gerade läuft erst die Beta-Phase.

Alleine auf der Kickstarter-Seite gibt es mehr als 2.600 Kommentare von Unterstützern, viele sind wütend – und das bereits seit Jahren. Auch merken manche User an, dass die Maschine nun nicht mehr die erste ihrer Art sei, da Konkurrenzunternehmen wie Dainichi aus Japan mittlerweile nachgezogen hätten. Auch das Design missfällt vielen, da es heute sehr anders als bei den ersten Entwürfen aussieht. Es erinnere an einen Computer-Tower, schreibt eine Unterstützerin.

Das Team von Bonaverde hat auf die meisten dieser Kommentare geantwortet. „Wir können nachvollziehen, dass die Verzögerung zu Enttäuschung bei den Investoren geführt hat“, sagt CEO Hans Stier. Das Startup versuche deshalb, so transparent und offen wie möglich Fortschritte zu kommunizieren. Rund 100 Updates habe man deshalb bei Kickstarter online gestellt.

Zwar haben nach Angaben des Startups 300 Beta-Tester ihre Maschine erhalten. Doch ein Großteil der Unterstützer wartet noch auf sein Modell. 4.700 Maschinen müssten noch an die Crowd ausgeliefert werden, gibt CEO Hans Stier an. Danach gelte es, 100.000 anderweitig vorbestellte Maschinen herzustellen. Eine ganze Menge.

Doch woher die Verzögerung? Vor allem das Mahlwerk soll Probleme gemacht haben. Lange Zeit schaffte es im Schnitt nur etwa 500 Durchläufe, bis es kaputt ging. Nicht genug für eine Maschine, die 400 Dollar kosten sollte, sagte der Gründer bereits 2015 zu Gründerszene.

Laut Investor Michael Brehm war das Mahlwerk nicht die einzige Herausforderung. Beispielsweise habe man klären müssen, wie der Rauch richtig gefiltert werde und die Hitze in den Röstkammern halte, erzählt er auf Anfrage von Gründerszene: „Die vergangenen Jahren waren ein mühsamer Weg mit vielen Höhen und Tiefen.“

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Neuer Liefertermin für die Crowd: Ende des Jahres

Normalweise investiere er in Software, die leichter und schneller zu skalieren sei als Hardware, so Brehm weiter. „Die Rückschläge bei Bonaverde haben mich schon umhergetrieben“, sagt er. Doch auch in Krisenzeiten habe er immer an das Produkt des Startups geglaubt: „Die Maschine funktioniert, man kann sie im Berliner Showroom testen.“ Weil die Bohnen vor Ort geröstet würden, hätte der Kaffee kaum Bitterstoffe: „Er schmeckt unglaublich weich und lecker.“

Das Kapital aus der neuen Runde will Stier jetzt unter anderem in die Herstellung weiterer Maschinen und für die laufenden Kosten ausgeben. Er hat sich und seinem Team eine neue Frist gesetzt, wann er die Maschinen ausliefern will. Bis Ende des Jahres sollen die Unterstützer der Crowd die Maschine erhalten, ab Anfang nächsten Jahres soll sie dann auch frei im Handel erhältlich sein, sagt er.

Ein weiteres Ziel: Das Startup will einen Standort in den USA eröffnen. „Mehr als 30 Prozent unserer Kunden kommen schon jetzt aus den USA“, sagt Stier. Der Markt dort sei offener für technische Innovationen und daher Hauptzielmarkt des Unternehmens. „Der Kaffeeenthusiasmus insbesondere an der Westküste ist beeindruckend.“

Bild: Bonaverde

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