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Die Crowd wartet immer noch auf die Kaffeemaschine von Bonaverde

Das Design der Kaffeemaschine von Bonaverde ist heute anders als einst geplant – und ebenfalls ein Streitpunkt

Mehr als zwei Millionen US-Dollar gaben tausende Unterstützer an das Berliner Startup Bonaverde. Seit zwei Jahren warten sie auf ihre Kaffeemaschinen.

Eine Kaffeemaschine, die eigentlich alles besser machen soll – daran arbeitet Hans Stier seit fünf Jahren. Sein erstes Startup Kaffee Toro musste Insolvenz anmelden, sein zweites Unternehmen Bonaverde liefert bis heute kein Produkt. Die Auslieferung der Kaffeemaschine, die Bohnen rösten, mahlen und Kaffee brauen soll, war ursprünglich vor zwei Jahren geplant, im Oktober 2014.

Das Ziel: Besitzer der Maschine sollen Bohnen über Bonaverdes Plattform direkt von Kaffeebauern kaufen können, die davon finanziell profitieren sollen. Dafür gaben etwa 3.700 Crowd-Unterstützer Ende 2013 bei Indiegogo und Kickstarter sowie Anfang 2015 bei Seedmatch insgesamt mehr als zwei Millionen US-Dollar. Heute fordern viele ihr Geld zurück; sie finden, sie hätten „mehr als genug Geduld“ gehabt. Bei Kickstarter stehen mittlerweile hunderte negative Kommentare, es ist von „train wreck“ und einem „nie endenden Debakel“ die Rede.

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Gründer Hans Stier

Bereits vor einem Jahr berichtete Gründerszene über die Verzögerungen. Damals sagte Gründer Hans Stier im Gespräch, dass er die Auslieferung der Kaffeemaschinen an die Unterstützer für den Sommer 2016 erwarte.

Stattdessen wurde im Juli 2016 ein viermonatiger Alpha-Test gestartet. 50 Kunden sollten dabei die Maschine „auf grobe Schnitzer testen“, erklärt der Kreativdirektor in einer Mail an Gründerszene. Man sei mit den Ergebnissen des Tests sehr zufrieden, da das generelle Feedback gut gewesen sei und man „einen sehr kritischen Fehler“ entdeckt habe: Das Mahlwerk habe in manchen Fällen blockiert und so zum Ausfall der Maschine geführt.

Achillesferse: das Mahlwerk

Offenbar ein konstanter Schwachpunkt des Geräts: Bereits vergangenes Jahr erklärte Hans Stier, dass das Mahlwerk Probleme mache. Damals schaffte es im Schnitt etwa 500 Durchläufe und ging schließlich kaputt. Zu wenig für eine Maschine, die 400 Dollar kosten sollte, sagte der Gründer.

Heute gibt Bonaverde keine konkrete Auskunft, wann die Maschine fertiggestellt sein soll. Es heißt: Das sei davon abhängig, wie reibungslos die Betaphase verlaufe, die bald auf die Alpha-Tests folge. Mehr als 200 Tester sollen dabei ein Gerät erhalten und zwei Monate lang ausprobieren. Das Unternehmen weist darauf hin: „Unsere Kunden sind auf 20+ Länder verteilt, der Aufwand dieser Phase ist also nicht zu unterschätzen.“

Bonaverde versichert, dass man für die nächste Phase gut gewappnet sei und neue Experten an Bord habe. Woher das Geld für die neuen Einstellungen stammt, ist unklar. Das Startup beantwortet auf Nachfrage nicht, wie es sich derzeit finanziert. Vor etwa anderthalb Jahren hatte das Unternehmen sein Team von zwölf auf auf vier Mitarbeiter reduziert.

Das Startup versucht, sein Image aufzupolieren. In diesem Frühjahr bewarb es sich bei dem Tech5-Wettbewerb von The Next Web. Das Magazin zeichnet „ultraschnell“ wachsende Unternehmen aus und schrieb, dass die fünf deutschen Gewinner ihren Umsatz in den vorherigen zwei Jahren um mindestens 3.000 Prozent steigern konnten. Bonaverde belegte in Deutschland den dritten Platz – obwohl es sein Produkt noch nicht ausgeliefert hat. Auf Nachfrage zu den Hintergründen reagiert das Unternehmen bisher nicht.

Die Kommunikation mit der Crowd hingegen sucht Bonaverde nach wie vor und bemüht sich, verärgerte Kunden zu besänftigen. Eine Mitarbeiterin schreibt bei Kickstarter etwa: „Ich kann versichern, dass wir uns der Ziellinie nähern.“ Die Geldgeber aber hören das bereits seit zwei Jahren. „Ich habe mein Interesse verloren, als ich meinen Master an der Uni angefangen habe“, schreibt einer. „Bald habe ich meinen Abschluss. Und brauche kein Koffein mehr zum Studieren.“

Bilder: Bonaverde

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