Wie Banken das Wachstum von Startups behindern

Lizza-Mitgründer Matthias Kramer meldete sich auf Facebook zu Wort, um Dampf über deutsche Banken abzulassen: Kreditinstitute würden Startups den Erfolg erschweren.

„Wenn viele Millionen Euro Startup-Umsatz nicht genügen, um einen kleinen Dispo zu bekommen: Willkommen in der (deutschen) Welt der Kreditinstitute.“ Damit leitete Matthias Kramer, einer der Gründer des Food-Startups Lizza, seine öffentliche Kritik an dessen Frankfurter Hausbank ein. Das Unternehmen mit der Low-Carb-Pizza wurde vor allem durch die TV-Show Die Höhle der Löwen bekannt, beschäftigt zwei Jahre nach dem Start 45 Mitarbeiter und setzt nach eigenen Angaben fünf Millionen Euro um.

Anzeige

Um die Großproduktion der neuen Low-Carb-Pasta vorfinanzieren zu können, haben die Gründer von Lizza bei ihrem Kreditinstitut nach einer Übergangsfinanzierung gefragt. Kramer und Mitgründer Marc Schlegel haben beide vorher bei der Deutschen Bank gearbeitet. „In Summe sind hohe siebenstellige Transaktionen seit Start über unsere Firmenkonten geflossen. Der Großteil davon lief über unsere bisherige Hausbank. Wir waren nie in Zahlungsverzug, haben eine sehr gute Eigenkapitalquote und starke Wachstumsaussichten“, schreibt Kramer auf Facebook.

Von seiner Bank hätte Lizza lediglich das Angebot bekommen, den bereits vorhanden Dispo-Kredit zu erhöhen, „welches wir gerne angenommen hätten“, so Kramer. Auch wenn der Kredit im schlimmsten Fall durch eine private Bürgschaft der Gründer hätte gedeckt werden müssen.

„Banken wissen nicht mit rasch wachsenden Unternehmen umzugehen“

Aber nach mehrwöchigen Gesprächen und einer mündlichen Zusage kam am Donnerstag die Absage. Grund: Trotz des bisher starken Wachstums seien die eingereichten Umsatzprojektionen nicht detailliert genug gewesen und ein ausführlicherer Business-Plan gewünscht, so der Mitgründer. Das Startup könne sich auch anderweitig finanzieren, dennoch sieht Lizza darin ein grundlegendes Problem für die Szene: „Die hiesigen Banken wissen nicht mit rasch wachsenden Unternehmen umzugehen und sehen keine Notwendigkeit, ihre auf mittelständische Firmen ausgelegten Denkweisen anzupassen.“

Folge NGIN Food auf Facebook!

Solange sich das nicht ändert, hätten es junge Startups schwer, mithilfe von Fremdkapital zu expandieren und zum „Global Champion“ zu werden, wie die Banken es sich als Kunden wünschen, ärgert sich Kramer. „Wir Gründer wünschen uns alle mehr Menschenverstand, Vertrauen und eine Partnerschaft auf Augenhöhe von den Kreditinstituten, die letztlich Verantwortung tragen sollten, um die Wirtschaft mit Liquidität zu versorgen.“

Mehrere Gründer kommentierten unter dem Facebook-Beitrag, dass sie ähnliche Situationen erfahren hätten, geben Lizza aber Hoffnung. Christian Wendler, Gründer von Freenea, schreibt: „Diese Erfahrung musste ich leider mehrfach auch schon mit meinen Startups machen - und ich habe nicht den Eindruck, dass es besser geworden ist. Und wir reden ja hier nicht von Startups, die noch keine Traction und Profite aufweisen - ganz im Gegenteil.“ Cobi-Gründer Carsten Lindstedt sieht die Reaktion der Bank als „unnötigen Gegenwind! Wobei man seine Energie doch gerade als Startup-Gründer besser in kreative Ideen investieren sollte.“ Auch Ankerkraut-Gründer Stefan Lemcke pflichtet dem bei: „Kopf hoch, weitermachen. Banken sind konservativ und in den ersten zwei Jahren haben wir auch keinen Kredit bekommen.“

Bild: Lizza

Folge NGIN Food auf:

In Kooperation mit
amplifypixel.outbrain