Warum eine deutsche Milliardärsfamilie Dr Pepper aufgekauft hat

Die Cola-Marke Dr Pepper war bisher vor allem in Amerika erhältlich

Diesen Deal hatte niemand erwartet. Die verschwiegene deutsche Milliardärsfamilie Reimann kauft mit ihrer JAB Holding für 19 Milliarden Dollar den amerikanischen Softdrink-Riesen Dr Pepper Snapple und fusioniert ihn mit dem Kaffeespezialisten Keurig Green Mountain.

Der Limonadenhersteller und der Heißgetränkeanbieter arbeiten in zwei Branchen, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben. Bislang jedenfalls konzentrieren sich die großen Anbieter in den beiden Segmenten üblicherweise auf nur einen Bereich, sei es Coca-Cola und PepsiCo auf der einen Seite oder Nestlé mit seiner Tochter Nespresso auf der anderen.

Auch der Zeitpunkt verwundert Experten. Zwar summiert sich der weltweite Umsatz mit kohlensäurehaltigen Erfrischungsgetränken im Jahr 2017 auf rund 38,8 Milliarden US-Dollar, wie eine Auswertung des Beverage Industry Magazine zeigt. Auf diesem Niveau bewegt sich der Markt aber schon seit Jahren. „Die Branche hat nicht gerade Rückenwind“, bestätigt ein Manager aus Deutschland. Hierzulande sollen die Verkäufe 2016 immerhin stabil gewesen sein.

Doch es drohen Probleme für die Konzerne. Initiiert von der Weltgesundheitsorganisation WHO, wird global über die Auswirkungen von Zucker auf die Gesundheit diskutiert. Mehrere Länder haben schon Strafsteuern auf gesüßte Getränke eingeführt. Als Konsequenz ist der Absatz meist zurückgegangen, beispielsweise in Mexiko. In Deutschland versucht sich die SPD als Treiber dieser Entwicklung. Im Dezember hat ihre Bundestagsfraktion in einem Positionspapier gefordert, der Ernährungsindustrie vorzuschreiben, wie viel Zucker, Salz und Fett in verarbeiteten Lebensmittel enthalten sein darf. 

Ganz unlogisch ist die geplante Fusion von Keurig und Dr Pepper mit Marken wie 7Up und Sunkist für Branchenkenner trotzdem nicht. Denn kalte Kaffeegetränke in Dosen erobern gerade die USA und damit den wichtigsten Leitmarkt für internationale Trends. Cold Brew heißt die Kategorie, die in Übersee bereits über zwei Milliarden Dollar Umsatz erzielt und von der vor allem junge Konsumenten begeistert sind. Der kalt gebrühte Kaffee enthält viel weniger Säure, schmeckt süßer und lässt das Aroma der Bohne intensiver hervortreten.

Mit dem Vertriebsnetz von Dr Pepper, dem bislang viertgrößten Anbieter in der Softdrink-Branche, lässt sich die Distribution der Kaffeedosen wesentlich verbessern. In dem zusammengestückelten Konzerngebilde könnten die Produktentwickler außerdem Kompetenzen bündeln. Möglich wären neue Getränkevariationen aus beiden Bereichen – den Softdrinks und den Kaffeeprodukten. 

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Und das scheint nötig. Zwar bleiben Dauerbrenner wie Cola und Limonade große Umsatzträger. Doch die Branchenriesen setzen nicht mehr allein auf die Süßgetränke, weil deren Umsatz eher stagniert und das Wachstum der Konzerne bremst. Cola-Cola macht mittlerweile relevante Umsätze mit dem Energydrink Monster, der Wassermarke Vio und dem Fruchtsaft Fruitopia. Konkurrent PepsiCo wiederum verkauft auch den Eistee Lipton, Punica-Säfte und das isotonische Getränk Gatorade.

Beide Konzernriesen bringt der Dr-Pepper-Deal vorerst nicht in Bedrängnis. Zwar erreicht die Kombination aus Dr Pepper und Kering einen Umsatz von über elf Milliarden Dollar. Coca-Cola und PepsiCo bleiben aber noch immer um ein Vielfaches größer. Doch der aktuelle Zukauf der Reimanns muss nicht der letzte gewesen sein. Auch in der Kaffeewelt hat sich die JAB Holding schließlich über die Jahre ein Imperium geschaffen, zu dem heute Jacobs und Douwe-Egberts mit der Marke Senseo gehören.

Dieser Text erschien zuerst auf Welt.de.

Bild: Joe Raedle / Getty Images
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